Deutsche Provinz der Jesuiten

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15.11.2017

Bernd Hagenkord SJ: Medienreform im Vatikan ist dringend notwendig

Bonn (KNA) - Der bisherige Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Bernd Hagenkord, erachtet die geplante Neuorganisation der vatikanischen Medienstruktur als dringend nötig. "Die Medienlandschaft hat sich ebenso wie die Nutzungsgewohnheiten der Menschen gewandelt", sagte der Jesuit und Journalist am Dienstag im Interview dem Portal katholisch.de in Bonn. Arbeit müsse zusammengeführt werden und "vom Ganzen her neu" gedacht werden. Teilweise sei ineffizient, dreifach nebeneinanderher gearbeitet worden. Der mehrjährige Übergangsprozess werde auf Wunsch des Papstes durchgeführt.

Hagenkord, der laut Bericht auch künftig eine verantwortliche Position übernehmen soll, erklärte, dass derzeit innerhalb des Kommunikationssekretariats eine "Plattform" aufgebaut werde. "Dort bereiten die bisherigen Mitarbeiter von Radio Vatikan und von CTV unter einem gemeinsamen Logo Informationen aus dem Vatikan journalistisch in unterschiedlichen Formaten auf", so der Jesuit. Entlassungen schloss er indes aus.

Es werde künftig zwei große Internet-Auftritte geben. Das eine sei weiterhin vatican.va, "praktisch das Amtsblatt des Vatikan". "Daneben gibt es mit unserer neuen Plattform eine journalistische Aufbereitung der Vatikaninformationen, ohne dass wir damit eine vatikanische PR-Agentur wären", sagte Hagenkord.

Die bisherigen Eigenständigkeit der Einheiten würden unterschiedlich behandelt. "Die Zeitung, der 'Osservatore Romano', ist ein eigenständiges Medium. Man kann das Blatt nicht einfach mit den Texten füllen, die wir für das Internet aufbereiten", erklärte Hagenkord. Der Fernsehkanal CTV werde stärker für soziale Medien, weniger für den großen Bildschirm produzieren. "Wir wollen etwa über Youtube oder Facebook Filme anbieten, kurze informative, auch unterhaltsame Stücke rund um den Papst", so der Journalist. Auch als "Radio" werde der Vatikan präsent sein. Wo müsse sich aber noch zeigen.

Der Experte unterstrich, Kommunikation müsse heute die Menschen stärker einbeziehen. "Man kann nicht einfach etwas senden und hoffen, dass jemand zuhört", erklärte Hagenkord. Die Leute hielten sich dort auf, wo sie mitmachen, wo sie in eine Geschichte einbezogen würden. "Da müssen wir ran, wenn wir meinen, dass das, was wir zu erzählen haben, wichtig ist."

Die Medienarbeit werde von einem "starken Analyse-Tool" begleitet, anders als früher werde kontrolliert, was im Internet wo von wem geschaut werde. "Es geht nicht allein um Klickzahlen - rührige Fotos, wie der Papst Kinder umarmt werden sehr oft geklickt und geliked. Wir messen den journalistischen Bereich samt den sperrigen und schwierigen Themen, auch wenn sie keine Klicks bringen", so der Pater.

Zum Interview auf katholisch.de




letzte Aktualisierung am 02.08.2017