Deutsche Provinz der Jesuiten

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14.11.2017

Flüchtlingshilfe: Mehr Unterstützung für Willkommensinitiativen

Berlin (JRS) - Die Erfahrungen der vielen engagierten Menschen in Willkommensinitiativen politisch zu würdigen und zu nutzen: Bei seiner Jahrespressekonferenz stellte der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (Jesuit Refugee Service, JRS) heute in Berlin Ergebnisse einer europaweiten Studie vor, an der sich auch 50 lokale Initiativen in Deutschland beteiligt hatten. Von der künftigen Regierungskoalition erwartet die Organisation ein Ja zur Familienzusammenführung und eine klare menschenrechtliche Haltung bei der Reform des EU-Asylrechts in Brüssel.

"Es ist unverhältnismäßig, welch enorme Aufmerksamkeit die Politik und manche Medien den ressentimentgeladenen Forderungen einer mosernden Minderheit widmen. Diese Aufmerksamkeit sollte besser den Millionen Menschen gelten, die sich ohne viel Aufhebens vor Ort reinhängen und mit Zeit, Energie und Kreativität ein menschliches und freundliches Umfeld schaffen. Sie sind es, die diese Gesellschaft besser und die Demokratie stärker machen", sagte JRS-Direktor Frido Pflüger SJ. Der JRS hat Willkommensinitiativen in neun europäischen Ländern nach ihren Erfahrungen und Praktiken gefragt und daraus Empfehlungen für die Politik abgeleitet. "In der Politik werden Flucht und Migration meistens als Problem behandelt. Das geht an der Wirklichkeit vorbei", lautet ein Fazit dieser Studie. "Das Positive muss viel stärker betont werden." Eine Basisfinanzierung, die auch für kleine Initiativen zugänglich ist, könnte Engagement verstetigen.

Die JRS-Studie hat zahlreiche Beispiele dafür gefunden, dass von Willkommensinitiativen nicht nur geflüchtete Menschen profitieren, sondern die Gemeinschaft als Ganzes. Mandy Rieger und Fateh Abuludan, der vor mehreren Jahren selbst aus Libyen geflohen ist, haben das ehrenamtlich initiierte "Kompetenzzentrum für Integration" in Plauen mit aufgebaut. Die Angebote von der Hausaufgabenbetreuung übers Grillfest bis zum Frauenboxen richten sich an alle - nicht nur an geflüchtete Menschen. "Wenn jemand Vorurteile hat, kann ich ihn nicht durch Reden überzeugen", weiß Mandy Rieger aus Erfahrung. "Ich muss die Leute zusammenbringen. Wenn sie gemeinsam etwas machen können - etwas aufbauen oder einfach nur Spaß haben -, dann ändert sich was in den Köpfen."

Dass trotz steigender Flüchtlingszahlen weltweit nur noch wenige Asylsuchende bis nach Deutschland gelangen, verändert die Arbeit in den Initiativen. Seit Herbst 2015 sind dezentral haupt- und ehrenamtlich viele Kompetenzen und Ressourcen aufgebaut worden. "Diese Kapazitäten sollte die Bundesregierung jetzt nicht wieder austrocknen, sondern sinnvoll nutzen, z.B. durch Aufnahme von Flüchtlingen in Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen und von den überlasteten europäischen Randstaaten", so Pflüger.




letzte Aktualisierung am 02.08.2017