Deutsche Provinz der Jesuiten

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06.11.2017

Jörg Alt SJ: Paradise Papers erhöhen Handlungsdruck auf die Politik

Berlin/Nürnberg (KNA) - Die Paradise Papers erhöhen nach Einschätzung des Nürnberger Jesuiten Jörg Alt den Druck auf die Politik, Steuerschlupflöcher zu schließen. Deutschland sei nicht überall Vorreiter, sondern bremse auch bei Verbesserungen, wo andere in der EU mitzögen, sagte der Pater am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dies gelte etwa für Pläne der EU-Kommission, im Rahmen der Geldwäschebekämpfung weitergehende Transparenzverpflichtungen zu wahren Eigentümern einzuführen. "Jeder Staat will seine 'kleinen Extras' im Steuerwettbewerb."

Der Jesuit forscht seit Jahren zum Thema Steuergerechtigkeit und veröffentlichte im vergangenen Jahr seine Ergebnisse unter dem Titel "Wir verschenken Milliarden". Außerdem war Alt Vorkämpfer für eine europäische Finanztransaktionssteuer. In Deutschland, auch bei den Christen, fehle es noch an Wissen über die Probleme sowie nationale und internationale strukturelle Ungerechtigkeiten, so der Pater. "Politik handelt aber nur, wenn breite Bevölkerungsschichten ausdauernd und nachdrücklich Veränderungen einfordern."

Alt forderte zudem erneut neben einem Ende des Steuerwettbewerbs eine bessere Ausstattung von Steuerverwaltung, Polizei und Staatsanwaltschaften. So zeigten die Informationen aus den Paradise Papers zum Fall des Milliardärs Curt Engelhorn, dass die Staatsanwaltschaft Augsburg auf der richtigen Spur und das vorschnelle Einstellen des Verfahrens gegen die Familie nicht gerechtfertigt gewesen sei. Innerhalb der EU müsste wie in den USA die Steuerpflicht nicht an den Wohnort, sondern an die Staatsangehörigkeit gekoppelt werden, forderte der Jesuit. Nötig sei auch, dass Whistleblower eher geschützt als bestraft würden.




letzte Aktualisierung am 02.08.2017