Deutsche Provinz der Jesuiten

Aktuelles

08.06.2018

Leitungswechsel beim Jesuiten-Flüchtlingsdienst

Berlin (JRS) - Pater Frido Pflüger SJ, der seit 2012 an der Spitze des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (Jesuit Refugee Service, kurz:JRS) in Deutschland stand, kehrt nach Ostafrika zurück: Er wird künftig den JRS Uganda leiten. Am kommenden Montag, den 11. Juni 2018, wird Pater Pflüger in Berlin verabschiedet und sein Nachfolger Pater Claus Pfuff SJ (Foto im Anhang) als neuer Direktor eingeführt.

Pater Claus Pfuff SJ war bis 2017 als Schulseelsorger am Canisius-Kolleg in Berlin tätig, einer Jesuitenschule, die auch geflüchtete Jugendliche in sogenannten Willkommensklassen unterrichtet. Dort hat er mehrfach miterlebt, wie junge Menschen trotz schwerer Fluchterfahrungen auflebten – aber auch, wie manche infolge von Abschiebeandrohungen oder der Verweigerung des Familiennachzugs verzweifelten. „Es ist wichtig, den Menschen während des Asylverfahrens zur Seite zu stehen und sicherzustellen, dass sie rechtlich gut beraten sind. Aber zum Auftrag des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes gehört noch mehr. Wir begleiten sie auch, wenn die juristische Situation aussichtslos ist und halten, wenn nötig, die Hoffnungslosigkeit mit aus.“ Pfuff hat im Mai sein Terziat abgeschlossen, den dritten Ausbildungsabschnitt des Jesuitenordens. In diesem Rahmen hat er das priesterliche Amt an der Westküste Alaskas im Zusammenleben mit der indigenen Bevölkerung ausgeübt. „Die Folgen des Klimawandels prägen den Alltag unmittelbar, viele Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage. Wenn Deutschland Fluchtursachen bekämpfen will, muss es viel mehr gegen den Klimawandel tun“, betont er. Bevor Claus Pfuff 2009 in den Jesuitenorden eintrat, hat er die Aidsseelsorge im Bistum Augsburg mit aufgebaut. Der künftige Flüchtlingsseelsorger im Erzbistum Berlin bringt eine therapeutische Ausbildung sowie Erfahrungen im Exerzitienbereich mit.

Pater Frido Pflüger SJ, der vor seinem Wechsel nach Berlin 2012 Regionaldirektor des JRS in Ostafrika war, wird künftig den JRS Uganda leiten. Oft hat er in Deutschland auf die vorbildliche Flüchtlingspolitik dieses Landes hingewiesen, das trotz seiner geringeren Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft mehr als eine Million Flüchtlinge aufgenommen hat, ihnen Land zuweist und die sofortige Arbeitserlaubnis einräumt. „Als ich vor sechs Jahren aus Nairobi nach Berlin kam, stritt sich die Politik monatelang über die Aufnahme von 5000 Flüchtlingen aus Syrien. In Ostafrika waren das Tagesschwankungen“, erinnert sich Pflüger. Seit dem Herbst 2015 ist er beeindruckt von der enormen Hilfsbereitschaft und dem Engagement der Bevölkerung, das viele bis heute fortführen. Er hofft, dass sich die Politik künftig stärker von diesen Menschen inspirieren lässt: „Statt sich von einer lautstarken Minderheit zu immer neuen Verschärfungen des Asylrechts treiben zu lassen, sollte die Politik besser das in dieser Form wohl weltweit einzigartige Engagement stärken und die damit verbundenen Werte verteidigen.“

Pater Claus Pfuff tritt sein neues Amt zu einer Zeit an, in der Einzelne und Organisationen, die sich gegen Abschiebungen einsetzen – wie es der Jesuiten-Flüchtlingsdienst u.a. durch Rechtshilfe für Menschen in der Abschiebungshaft oder im Kirchenasyl tut – zunehmend angefeindet werden. „Wir untergraben den Rechtsstaat nicht, wir verteidigen ihn – und das betrifft uns letztlich alle, nicht nur Asylsuchende. Deshalb müssen wir hellhörig werden, wenn das Recht, behördliches Handeln richterlich überprüfen zu lassen, von Repräsentanten der Demokratie in Frage gestellt wird“, so der Jesuit. „Wir werden auch weiterhin Flüchtlinge dabei unterstützen, ihre Rechte geltend zu machen.“

Der Jesuit Refugee Service (Jesuiten-Flüchtlingsdienst, JRS) wurde 1980 angesichts der Not vietnamesischer Boat People gegründet und ist heute als internationale Hilfsorganisation in mehr als 50 Ländern aktiv. In Deutschland ist der Jesuiten-Flüchtlingsdienst unter anderem für Asylsuchende, Abschiebungsgefangene und Flüchtlinge im Kirchenasyl tätig und setzt sich für sog. „Geduldete“ und Menschen ohne Aufenthaltsstatus („Papierlose“) ein. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind Seelsorge, Rechtshilfe und politische Fürsprache.




letzte Aktualisierung am 02.08.2017