Deutsche Provinz der Jesuiten

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11.03.2018

Pater Leutenstorfer wird 90 - der Ordensmann der klassischen Bildungsideale

St. Blasien - Seine Beziehung zum Kolleg St. Blasien ist eine lange und besondere. Geboren in Gauting (Bayern) war er schon Schüler am Kolleg und legte hier 1947 sein Abitur ab. Bald nach dem Abitur trat er auch schon in die Gesellschaft Jesu ein. In diesem Jahr konnte Pater Peter Leutenstorfer SJ sein 70. Ordensjubiläum feiern. Nach umfassender Ausbildung im Jesuitenorden und der Priesterweihe kam Pater Leutenstorfer SJ 1966 als Lehrer ans Kolleg St. Blasien zurück und blieb bis 1991 im Amt. Im Ruhestand ergriff er aber noch einmal eine neue Herausforderung. Er ging nach Dresden, um am Aufbau einer neuen Jesuitenschule St. Benno mitzuwirken. 1997 war er wieder am Kolleg St. Blasien, um nach dem Tod von Pater Adamek SJ die Aufgabe des Bibliothekars zu übernehmen. Seine lebenslange Leidenschaft ist das Theater. Unzählige, ausgezeichnete Stücke hat er mit den Schülern einstudiert und auch selbst verfasst. Ein weiteres Hobby von „Leu“ ist die Musik, im Kollegsorchester spielt er seit Jahren die Bratsche. In den letzten Jahren unterstützte der erfahrene Germanist und Altphilologe auch immer wieder das Loyola-Gymnasium im Kosovo, in dem er die Lateinlehrer vor Ort schulte.

Es ist nicht leicht, zu Pater Peter Leutenstorfer vorzudringen. Zwei Türen und ein Flur trennen das Schularchiv, in dem er arbeitet, vom Rest des Gebäudes. Klopfen hört er nicht, man muss sich übers Handy bemerkbar machen. Fast die Hälfte seines Lebens hat er am Kolleg St. Blasien verbracht, dem Jesuiten-Internat hoch oben in einem engen Schwarzwaldtal, untergebracht in einem Barockkloster. 1947 hat er selbst an der Schule Abitur gemacht. Nach seinem Ordenseintritt arbeitete er ein Vierteljahrhundert hier als Lehrer für Latein, Deutsch und Griechisch. Pater Leutenstorfer geht in sein Büro, schiebt einen Stapel Papier auf dem Schreibtisch zusammen und heftet ihn ab - die Übersetzung eines Jesuiten-Theaterstücks von 1625, die er an diesem Morgen beendet hat. Worum es in dem Stück geht? Um die heilige Cäcilia. Wie lange er dran gearbeitet hat? Seit mehr als zehn Jahren, mit vielen Unterbrechungen. Warum er es übersetzt hat? Damit es nicht vergessen wird. Nach und nach wird er gesprächiger. Theater, so erfährt man, hat ihn schon immer interessiert, ein Onkel war Tenor am Münchener Nationaltheater. In St. Blasien hat er später mit Schülern viele Stücke einstudiert - Shakespeare, Ionesco, Dürrenmatt - und in einem der Klosterhöfe aufgeführt. Er hat selbst Dramen geschrieben, etwa über den heiligen Ignatius, den Ordensgründer. Bis heute spielt er im Kollegsorchester die Bratsche, und in ein paar Tagen hält er einen Vortrag im St. Blasien Literaturcafé. Wahrscheinlich gibt es kaum jemanden, der noch so perfekt das Ideal vom humanistisch gebildeten Jesuiten verkörpert. Universale Bildung, das ist nicht nur sein Anspruch, sagt er, sondern auch der Anspruch einer jeden Jesuitenschule: "Alles, was existiert, ist studierenswert - dadurch unterscheiden wir uns von anderen Schulen."

 

 




letzte Aktualisierung am 02.08.2017