Deutsche Provinz der Jesuiten

Aktuelles

02.05.2018

Pressefreiheit und der Vatikan

Zensiert der Vatikan eigentlich sein Nachrichtenmedium Vatican News, früher bekannt als Radio Vatikan? Zum Tag der Pressefreiheit am 3. Mai durchaus eine berechtigte Frage. Bernd Hagenkord SJ arbeitet nun schon fast zehn Jahre als leitender Redakteur für den Vatikan. Er stellt sich der Frage.

Bernd Hagenkord SJ im Studio von Vatican News.

"Hofberichterstattung": kein Wort fällt häufiger als dieses, wenn Leute meine Arbeit vorstellen oder mich fragen, was ich denn da in Rom mache. Wenn es nett ist, dann wird das Wort ironisch gebraucht. Aber auch die nichtironische Variante gibt es durchaus.

Dahinter liegt die Frage oder Anfrage oder auch der Vorwurf, dass unsere Arbeit - früher bei Radio Vatikan, jetzt Vatican News - journalistisch nicht Ernst zu nehmen sei. Wir seien ja nicht frei in dem, was wir schreiben könnten, dürften und müssten.

Am internationalen Tag der Pressefreiheit ist das vielleicht einen Gedanken wert. Natürlich sind wir Teil des Vatikan, natürlich reflektiert unsere Arbeit die Perspektive des Papstes, alles andere wäre ja auch unnatürlich. Wir berichten nicht über den Vatikan, sondern aus dem Vatikan. Aber wir behaupten ja auch nichts anderes, es steht groß über unserer Webseite, wer uns liest oder hört, der weiß, wer wir sind.

Trotzdem ist das keine Hofberichterstattung. Wir erzählen Geschichten - "storytelling" auf Neudeutsch - aus Vatikan und Weltkirche, wir wollen nachvollziehbar machen und wir springen nicht auf jede Debatte auf, die in den Medien ihre Kreise zieht.

Wir probieren auch, Religion als Religion zu erzählen, nicht nur als soziologisches oder politisches Phänomen. Das ist eine Stimme mehr in den Medien, eine Perspektive die vielleicht andere nicht so haben.

Pressefreiheit ist ein hohes Gut, es gibt sie aber in vielen Formen. 

Und dass eine Institution sich eigene journalistische Medien leistet, das gehört auch dazu. Es gut, dass eine Institution wie der Vatikan nicht nur durch Pressesprecher redet, sondern sich auch andere Kommunikation leistet. Das ist ein Zeichen von Freiheit.

Pressefreiheit ist wertvoll. Es ist gut, dass es so viele verschiedene Formen von Kommunikation gibt und dass gerade jetzt so viele neue Entstehen. Unfreiheit entsteht, wenn nicht mehr Menschen - User, Kunden, Redakteure, Hörer, Unternehmer - entscheiden, was Nachricht ist und was man vielleicht sein lässt, sondern Algorithmen. 

Vatikan-Journalismus wie der unsere ist also gar nicht die Gefahr, das kann ja ignorieren, wer will. Gefährlich wird es erst dann, wenn wir nicht mehr die Wahl haben, sondern der Big Data entscheidet, was wir zu hören, sehen und zu lesen bekommen. Wenn der Konsum entscheidet, was News sein darf und was nicht.

Der Tag der Pressefreiheit ist deswegen auch unser Tag hier bei Vatican News. Es steht Religionen und Kirchen und dem Vatikan gut an, sich an Debatten zu beteiligen und zu berichten, was zu berichten ist. 

Das trägt zur Freiheit bei.

Bernd Hagenkord




letzte Aktualisierung am 02.08.2017