Deutsche Provinz der Jesuiten

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06.06.2017

Wirtschaftsethiker: Bekämpfung von Fluchtursachen ethisch geboten

Bonn (KNA/r) - Der Wirtschaftsethiker Johannes Wallacher hat die ethische Verantwortung bei der Bekämpfung von Fluchtursachen betont. Eine effektive Ursachenbekämpfung liege nicht nur im europäischen Eigeninteresse, sondern sei auch ethisch geboten, heißt es in einem "Zwischenruf" der Deutschen Kommission Justitia et Pax zum Wahljahr 2017, den die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn und das Portal katholisch.de am Dienstag verbreiteten.

Die Europäische Union (EU) müsse nicht nur schutzsuchende Personen menschenwürdig behandeln, sondern auch ihrer Verantwortung für eine faire Gestaltung der Globalisierung gerecht werden, forderte Wallacher, der die Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München seit 2011 als Präsident leitet und dort Sozialwissenschaften und Wirtschaftsethik lehrt.

Die Grundlagen für Frieden sowie funktionierende Strukturen müssen laut Wallacher zwar wesentlich von den betroffenen Gesellschaften selbst geschaffen werden. Dennoch hätten die Industrie- und zunehmend auch viele Schwellenländer hierbei eine wesentliche Mitverantwortung. Solange es etwa den Industrieländern nicht gelinge, Steueroasen und Steuerflucht wirksam zu bekämpfen, "werden die betroffenen Gesellschaften die strukturellen Ursachen für Korruption und zerfallende Staatlichkeit schwerlich überwinden können".

Wallacher kritisierte auch, dass wohlhabendere Länder mit ihrer Außenwirtschafts- und Handelspolitik den ärmeren Ländern wenig Spielraum für eigene Entwicklungen lassen. So könnten diese ihre wirtschaftliche Wertschöpfung nicht steigern und keine bessere Beschäftigungsmöglichkeiten für ihre Jugend schaffen.

Auch die deutsche Bundesregierung habe ihre Nachhaltigkeitsstrategie erneuert. Damit werde hoffentlich auch in Deutschland eine kohärentere Politik für eine nachhaltige Entwicklung möglich, die niemanden zurücklasse, so Wallacher.




letzte Aktualisierung am 09.01.2015