ImpulsAm 3. Dezember 1552 starb auf einer kleinen Insel vor dem Festland Chinas Franz Xaver – ein baskischer Adliger und einer der ersten Gefährten des Ignatius von Loyola in dem noch sehr jungen Jesuitenorden, der Gesellschaft Jesu. In die Geschichte der Kirche – und nicht nur der Kirche – ist er als der große Missionar eingegangen, der in seinem leidenschaftlichen und unermüdlichen Interesse für die Menschen nach Indien und Japan aufgebrochen war, bis ihn kurz vor China die Kräfte verließen. Seinen Weg nachzuzeichnen lässt einen im Blick auf die damaligen Verhältnisse fragen, wie das überhaupt zu schaffen war – und es führt zum Nachdenken darüber, welche Spuren er hinterlassen hat. Sind das Spuren, die für uns heute von Bedeutung sind? Kann ein Mann wie Franz Xaver für heutige Verhältnisse interessant sein, interessant in den Fragen, die sich aktuell so bedrängend zeigen? Ist die Gefahr nicht zu groß, in eine Art Pionierromantik mit einem zu bewundernden Helden zu verfallen, um dann nüchtern zu erkennen, dass dies reichlich wenig hergibt für die Schritte, die heute zu tun sind? Franz Xaver lässt sich so nicht einfach einordnen. Mit Sicherheit ist nicht unmittelbar übertragbar, was er damals versucht hat – und mancher seiner Schritte ist auch auf dem Hintergrund neuer Erkenntnisse und theologischer Entwicklungen zu diskutieren. Die Koordinaten unserer Zeit sind schlichtweg andere. Aber es scheint so zu sein, dass darin auch eine Chance liegt: Der Kontrast zu unseren Verhältnissen lässt nochmals in besonderer Weise hervortreten, was die innere Dynamik seines Handelns war, was ihn als Mensch all dies hat durchstehen lassen, um was es ihm ging – und um was es bleibend geht, wenn es um eine »menschliche« Entwicklung unserer Welt gehen soll. Dank seiner umfangreichen Briefe bekommen wir einen Einblick in diese Dynamik. Vielleicht können uns, die wir in einer Zeit der Globalisierung leben, einige Stichworte neugierig machen. Natürlich konnte unsere Fragestellung damals so nicht Thema sein, sie lag einfach jenseits aller Vorstellungen. Aber es lassen sich Elemente entdecken, die heute nicht verloren gehen dürfen. Franz Xaver hat sein Leben als einen Aufbruch in die Welt und zu den Menschen verstanden, gegen ein Sich-Einrichten in eine abgesicherte Gemütlichkeit. Es ging ihm um die ganze Welt, weil alle Menschen Anteil haben sollten an dem Lebensprogramm der Frohen Botschaft Jesu, das frei und heil machen sollte. Es ging ihm "um die Vielen" und nicht nur um einige wenige Privilegierte, die alle Mittel hatten, sich gut einzurichten. Es ging ihm um das "Heil der Seelen" – ein Ausdruck, der heute Misstrauen erwecken mag, aber der nichts anderes bedeutet als den Einsatz für ein menschenwürdiges Dasein in Gerechtigkeit und mit der Möglichkeit in Hoffnung und Zuversicht zu leben. Und dies kann nur gelingen, wenn es jenen, die in die Welt hinausziehen nicht in erster Linie ums Geld geht – etwas, das er immer wieder anprangert. Mit dieser Leidenschaft im Herzen war Franz Xaver bereit, bis an die Grenzen zu gehen – im wahrsten Sinne des Wortes: bis an die Grenzen fremder Länder, bis an die Grenzen des Machbaren, bis an die Grenzen seiner Kräfte. Und dies, weil ihm die Menschen, denen er begegnete immer neue Fragen aufgaben, weil er erkannte, wie viel man voneinander lernen kann und weil ihm immer deutlicher wurde, dass gerade deshalb die Versöhnung untereinander von zentralster Bedeutung ist – eine Versöhnung, die nicht im Privaten bleiben darf, sondern "öffentlich" werden, Völker erfassen muss. Das sind einige Stichworte, nicht systematisch ausgewählt – aber sie sollen ja neugierig machen. Und wir hoffen, sie können tatsächlich Neugier wecken: Neugier darüber, was es mit der Ähnlichkeit der Begriffe auf sich hat, was der gemeinsame Kern von damals und heute ist – und wo es andere, neue Zugänge zu den Fragen der Menschen braucht! Neugier darüber, aus welchen Quellen solch ein Mensch die Kraft für seinen Weg schöpft. Neugier darüber, was denn heute gefragt ist, wenn es um eine menschliche Welt geht – und ob die Mittel, die oft so hochgepriesen werden, nicht auch hinterfragt werden müssen! Eines sei noch angefügt. Franz Xaver hat sich getragen gewusst von seiner Gemeinschaft, mit der er brieflich in enger Verbindung war und die er sehr ergriffen als die »societas amoris« – eine von Liebe getragene Gemeinschaft – bezeichnete. Auch das scheint ein Stichwort zu sein, das des Nachfragens wert ist, der Nachfrage nach der Solidarität unter uns und nach den Beziehungen, die uns tragen. P. Bernd Franke SJ P. Franz Meures SJ P. Severin Leitner SJ P. Hansruedi Kleiber SJ
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