Deutsche Provinz der Jesuiten

Silence - Die Geschichte, die Martin Scorseses Film inspirierte

Der neue Film "Silence" des amerikanischen Regisseurs Martin Scorsese handelt von der Jesuitenmission im Japan des 17. Jahrhunderts. Er ist mit Andrew Garfield, Liam Neeson und Adam Driver in den Hauptrollen prominent besetzt. In Deutschland kommt der Film am 2. März in die Kinos.

Basierend auf historischen Ereignissen erzählt "Silence" in monumentalen Bildern von der brutalen Verfolgung der einheimischen Christen und europäischen Missionare und lässt die Frage nicht verstummen: Wie kann Gott zu all dem schweigen?
Der Film geht zurück auf den Roman "Silence" von Shūsaku Endō (1923-1996), einen der wenigen japanischen Autoren, der von christlichem Standpunkt aus schrieb. "Schweigen", Endōs Meisterwerk, gilt als einer der besten Romane des 20. Jahrhunderts.
Seit Martin Scorsese 1988 nach seinem Film "Die letzte Versuchung Christi" dem Buch begegnete, war er fest entschlossen, es zu verfilmen: "Das Thema, das Endō hier behandelt, ist in meinem Leben seit meiner frühesten Jugend präsent. Ich wurde in einer streng katholischen Familie groß und beschäftigte mich stark mit Religion. Die Spiritualität des römischen Katholizismus, in die ich als Kind eintauchte, ist das Fundament meines Lebens, und diese Spiritualität hing mit dem Glauben zusammen."
Die Frage nach dem "Schweigen Gottes", die Verfolgung von Christen, die ihrem Glauben treu bleiben - kein Thema der Vergangenheit nur, sondern brennend aktuell.

Um sich auf ihre Rolle vorzubereiten und den Orden und die Lebensweise von Jesuiten kennenzulernen, nahmen die beiden Schauspieler Andrew Garfield (Pater Rodrigues) und Adam Driver (Francisco Garpe) im Exerzitienhaus von St. Beuno's in North Wales an achttägigen Exerzitien teil: "Ich bin ganz und gar zum Jesuiten geworden und habe die Spiritualität aufgenommen", berichtete er. "Es gab so viele Dinge in den Exerzitien, die mich verändert und verwandelt haben, die mir gezeigt haben, wer ich bin und wohin mich Gott haben will." (Das englischsprachige Magazin America berichtete darüber im Januar 2017).

Presse-Kontakt

P. Martin Stark SJ (Socius des Provinzials)
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Japan-Missionare im Gespräch heute: Filmporträts der Jesuitenmission

Von 1921 bis 1948 war die Mission der Gesellschaft Jesu in Japan der damaligen Niederdeutschen Provinz der Jesuiten übertragen. Heute leben noch zwölf Jesuiten in Japan, die von Deutschland aus als Missionare dorthin aufbrachen. Der Filmemacher Dr. Christian Ender hat sie für die Jesuitenmission interviewt. Die DVD "Missionare im Gespräch" ist zu bestellen bei: www.inigomedien.org

Im Gespräch mit P. Alfons Deeken SJ (*1932)

P. Alfons Deeken wurde 1932 in der Nähe von Oldenburg in eine missionarische Familie, wie er es selbst nennt, geboren. Schon früh interessierte er sich für Japan und war mit 12 Jahren sehr von den Märtyrern von Nagasaki beeindruckt. Direkt nach dem Abitur trat er 1952 in den Jesuitenorden ein. Als er nach Japan kam, stellte sich P. Deeken die Frage, was die katholische Kirche den Japanern bieten könnte, was sie nicht schon haben. Als er in den USA mit der Hospizbewegung in Kontakt kam, war für ihn diese Frage beantwortet. Der Tod war damals noch ein großes Tabu in Japan und ist es auch heute noch. P. Deeken begann an der Sophia-Universität in Tokyo die „Philosophie des Todes“ zu lehren mit großer Resonanz von Seiten der Studierenden. Heute ist er ein gefragter Berater und Gesprächspartner zum Thema Tod, Sterbebegleitung und Spiritualität für Sterbende und Trauernde. Die hohen Besucherzahlen seiner Kurse zur Einführung in den christlichen Glauben zeigen, dass die katholische Kirche den Japanern Neues bieten kann, das ihnen hilft, so zum Beispiel die Frage nach dem Sinn und der Glaube an ein Leben nach dem Tod. P. Deeken sieht seinen Einsatz als Beitrag dafür, die japanische Gesellschaft besser und wärmer zu machen.

Im Gespräch mit P. Heinz Hamm SJ (*1941)

P. Heinz Hamm SJ ist in einer kinderreichen Familie mit neun Geschwistern im katholischen Bergisch-Gladbach aufgewachsen. Wichtig für sein späteres Leben war das Zweite Vatikanische Konzil. Nachdem er sich für die Theologie und gegen das Studium der Biochemie entschieden hatte, war für ihn klar, dass er in die Mission gehen möchte. Das Hauptmotiv für ihn, sich für die Mission in Japan zu melden, war, dass die Katholische Kirche auch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil noch stark eurozentrisch geprägt war und ist. Ihm stellte sich die Frage, ob er Katholik aus Tradition und Gewohnheit sei oder aus Überzeugung und das könne er nur herausfinden, in einem vollkommen anderen kulturellen und religiösen Umfeld. Nach 40 Jahren in Japan erklärt P. Hamm, dass die Gemeinden das höchste Gut der Katholischen Kirche sind. Außerdem führt P. Hamm seine Meinung zu einem nötigen Dritten Vatikanischen Konzil und die Zukunft der Kirche in Japan aus.

Im Gespräch mit P. Heinz Jokiel SJ (*1925)

P. Heinz Jokiel SJ ist 1925 geboren. Während des Zweiten Weltkrieges war er Soldat und lernte im Gefangenenlager die Jesuiten kennen. Zunächst wollte er im Orden in Deutschland bleiben, um das zerstörte Land wieder mitaufzubauen, dann bewarb er sich doch für die Mission in Japan. Als er sich das erste Mal auf den Weg in das fremde Land machte, wusste er gar nichts darüber, er sei wie ein unbeschriebenes Blatt gewesen. Auch heute noch hat er das Gefühl, er kratze manchmal nur an der Oberfläche, da das Denken und Fühlen der Japaner ganz anders ist als das der Europäer. Als Missionar in Japan hat P. Jokiel die verschiedensten Arbeiten im Orden ausgeführt, von der Arbeit in den Schulen, Kindergärten, in der Universität bis hin zu Sozialarbeit und nun in Tokyo wieder Gemeindearbeit. Das gemeinsame Beten in der Gemeinde ist sehr wichtig für ihn und die gemeinsamen Überlegungen, wie es für die Kirche in Japan weitergehen kann.

Im Gespräch mit P. Günther Kerkmann SJ (*1942)

P. Günther Kerkmann SJ ist in Münster in einem sehr katholischen Umfeld geboren und aufgewachsen. So war für ihn schon in früher Kindheit der Gedanke Priester zu werden nichts Ungewöhnliches. Priester, Ordensmann und Missionar sein gehören für ihn als Dreiklang zusammen, so dass für ihn klar war, wenn er Priester werde, dann als Missionar, am liebsten in Asien. 1967 wurde diese Idee verwirklicht mit seiner Reise über Sibirien nach Japan. Als Linguist gibt P. Kerkmann interessante Einsichten über den Zusammenhang von japanischer Sprache und Sozialstruktur. Besonders interessant waren und sind für ihn Gespräche mit Nicht-Christen über Jesus. Wie reagieren sie und wie bringt man denjenigen die Botschaft der Bibel näher, die noch nie von ihr gehört haben.

Im Gespräch mit P. Jörg Mauz SJ (*1940)

P. Jörg Mauz SJ lernte die Gesellschaft Jesu während seiner Schulzeit im Jesuitenkolleg St. Blasien kennen. Im Sommer 1959 traf er zwei wichtige Entscheidung für sein Leben: Er entschied sich, in das Noviziat der Jesuiten einzutreten und Missionar zu werden. Bei einem internationalen Jugendtreffen hatte er junge Erwachsende aus Japan, China, Indien, Frankreich und vielen anderen Ländern kennengelernt und so wurde sein Interesse für Asien geweckt. Dennoch musste er sich in Geduld üben, bis er als Missionar nach Japan ausreisen durfte. P. Mauz verbrachte sein Leben mit Studium und Lehre und veröffentlicht bis heute Werke in Japan.

Im Gespräch mit P. Klaus Riesenhuber SJ (*1938)

P. Klaus Riesenhuber SJ ist während des Zweiten Weltkrieges in Frankfurt am Main und teilweise in Bayern aufgewachsen. Nach dem Gymnasium in Frankfurt besuchte er die Hochschule Sankt Georgen, zunächst um weltlicher Priester zu werden, trat jedoch ein Jahr später in den Jesuitenorden ein. P. Riesenhuber spricht von zwei grundlegenden Entscheidungen in seinem Leben: die erste war der Eintritt in den Jesuitenorden und die zweite, sich für die Mission in Japan zu melden. Als Philosoph beschäftigt er sich Zeit Lebens mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Die Mission in Japan sieht er als Aufgabe, in einem Land, in dem das Christentum nur wenig akzeptiert ist, eine Grundlage für den christlichen Glauben zu schaffen. P. Riesenhuber gibt Einblicke, weshalb die Glaubensvermittlung in Japan schon auf sprachlicher Ebene an Grenzen stößt, da Begriffe wie Gott und Sünde nicht vorhanden waren und wie sich dies in den vergangen Jahrzehnten langsam geändert hat.

Im Gespräch mit P. Karl-Heinz Walkenhorst SJ (*1925)

P. Karl-Heinz Walkenhorst setzte sich in seinem Leben für den ökumenischen Dialog mit den Protestanten ein. Er gibt Einblicke, weshalb die Spaltung des Christentums ein Hindernis für die Mission sein kann und wie er dies in Japan selbst erlebt hat. Die Jesuiten befanden sich in Japan auf dem Gebiet protestantischer Missionare. P. Walkenhorst erzählt, weshalb er Jesuit wurde und weshalb er ausgerechnet nach Japan in die Mission ging.

Im Gespräch mit P. Hans Wehmeyer SJ (*1940)

P. Hans Wehmeyer SJ fühlte sich schon seit seiner Kindheit zu Japan hingezogen. Dies war für ihn mit eine Motivation in die Gesellschaft Jesu einzutreten, da sie ihm die Möglichkeit bot, als Missionar in das asiatische Land zu reisen. Als P. Wehmeyer 1965 nach Japan kam, war es noch ein sehr armes Land. Er berichtet über die Entwicklung der Mission und der Kirche im 20. Jahrhundert in Japan und wirft Fragen zum Selbstverständnis der Missionare und der Kirche auf, die in einer so anderen Denkweise wie der japanischen neue Ansätze braucht. Angefangen bei Begrifflichkeiten bis hin zu kulturellen Besonderheiten.

letzte Aktualisierung am 20.02.2017