Deutsche Provinz der Jesuiten

Den Seelen helfen

Seinen 90. Geburtstag feierte Pater Franz Jálics SJ am 16. November 2017 in in seiner Geburtsstadt Budapest. © SJ-Bild (3): Orbán Gellért/Jézus Szíve jezsuita templom.

Mensch, Weg, Ort: Das Lebenswerk von Pater Franz Jálics SJ - Von P. Bernhard Bürgler SJ

"Unmöglich, das geht nicht": Das war mehr oder weniger die Meinung vieler außerhalb und innerhalb seines Ordens, als er von seinem Vorhaben erzählte, ein "kontemplatives Exerzitienhaus" zu eröffnen. "Er träumt! Die Nachfrage nach seinen Kursen ist nicht so groß, und ein eigenes Haus kann sich nicht tragen."

1978, nach seiner Ankunft in Deutschland, begann P. Franz Jálics, kontemplative Exerzitien zu begleiten. Es gab viel positive Resonanz auf seine Art von Exerzitien und so dachte er daran, nicht mehr herumzureisen und Kurse in verschiedenen Häusern anzubieten, sondern ein eigenes Zentrum zu schaffen. Schließlich hat er es mit Erlaubnis seiner Oberen getan. Und, es ist gegangen - sehr gut sogar! Das Haus Gries und die Kontemplativen Exerzitien wurden ein Erfolgsprojekt.

P. Franz Jálics SJ (l.) mit dem ungarischen Provinzial P. Elemér Vízi SJ (r.).

P. Franz Jálics ist am 16. November 2017 90 Jahre alt geworden, und er kann auf ein großes Lebenswerk zurückschauen. Was war, was ist das Geheimnis seines "Erfolges"? Drei Begriffe fallen mir ein: Mensch, Weg, Ort.

Ich weiß noch, als ich ihm das erste Mal begegnete. Es war kurz nachdem er von Argentinien nach Deutschland gekommen war. Ich war beeindruckt von seiner Ausstrahlung, von seiner Lebensgeschichte, von seinem Anliegen, Menschen zu Gott zu führen. Ich hatte das Gefühl, einen Menschen zu treffen, der in sich einen Auftrag spürt, der weiß, was er will und der einen geistlichen Weg zeigen kann, der für heutige Menschen gehbar und hilfreich ist. Seit damals haben sich viele Menschen seiner Führung anvertraut. Sie haben ihn erlebt als jemanden, der Gott erfahren hat, und der andere näher zu ihm hinführen will und kann: einen Lebemeister. Geistliche Menschen - sie werden gesucht, innerhalb und außerhalb der Kirche, gerade heute.

Franz Jálics hat vielen Menschen einen Weg zu Gott, zu sich selbst und zu den Menschen gezeigt. Diesen Weg wurde er selbst geführt und ist ihn konsequent gegangen. Auf seiner eigenen Erfahrung aufbauend hat er ihn weitervermittelt. Dieser Weg ist eine Gebetsweise, das kontemplative Jesus-Gebet. Er ist aber mehr als das, er ist eine Lebensweise; eine Weise des Umgangs mit der Welt, den Menschen und sich selbst. Dieser Weg führt vom Denken zum Spüren und Wahrnehmen, von der Vergangenheit und Zukunft ins Hier und Jetzt, in die Gegenwart. So kann allmählich etwas von der Gegenwart Gottes aufleuchten, so kann der Ich-Bin-Der-Ich-Bin erfahrbar werden.

Franz Jálics ist ein Praktiker. Seine Stärke ist weniger über das Wesen von Kontemplation nachzudenken, zu schreiben und zu sprechen, als Menschen ganz konkret, Schritt für Schritt einen kontemplativen Weg zu zeigen und sie auf ihm zu begleiten. Die Beschreibung, was im Gehen dieses Weges geschieht, was einem begegnet, wie man mit bestimmten Phänomenen, die sich einstellen, umgehen und wie man sich in bestimmten Situationen verhalten soll, damit der Weg weiterführt, ist sein Anliegen. Hilfreiche Anleitung und Begleitung eines kontemplativen Weges, darum geht es ihm.

Messfeier mit den ungarischen Mitbrüdern in der Budapester Herz-Jesu-Kirche (Jézus Szíve Templom).

Diese einfache Weise des Betens und Lebens, die er zeigt, gründet zutiefst in der christlichen Tradition. Sie trifft ein Bedürfnis unserer heutigen Zeit. Die Sehnsucht nach Ruhe und Stille, nach einfachem Dasein und nach Erfahrung ist groß.

Durch den Weg, den er zeigt, ist es ihm gelungen, eine in vielen Menschen lebende Sehnsucht zu stillen. Auf diesem Weg geschieht Verwandlung und Heilung.

Viele Menschen haben das erfahren. In Religion, in der christlichen Religion steckt eine große transformative Kraft.

Mit dem von ihm gegründeten Haus Gries hat Franz Jálics zudem einen heute weit über Deutschland, ja sogar über Europa hinaus bekannten Ort geschaffen, der unzähligen Menschen Bezugspunkt und Heimat geworden ist. Menschen, die dort Kurse besucht haben, fühlen sich mit ihm verbunden. In Zeiten, in denen Menschen sich mit einer Bindung an die Kirche als Ganze oder eine bestimmte Pfarrei schwer tun, sind solche geistliche Orte von Bedeutung.

Bis heute werden in diesem Haus das ganze Jahr über kontemplative Exerzitienkurse angeboten, die nach wie vor gut besucht sind. Luxus gibt es nicht. Ausstattung und Lebensstil sind einfach. Eine Gruppe von Voluntär(inn)en macht die Hausarbeit, die Kursteilnehmer(innen) helfen mit. Es wird auch nicht auf die Armen vergessen. Projekte in Entwicklungsländern werden unterstützt. Die Atmosphäre der Stille, der Einfachheit, der Solidarität ist spürbar. Sie zieht Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Religion und Konfession an. Dort finden sie einen Raum, in dem sie zur Mitte finden können, wo das göttliche Wort hörbar werden kann.

Mensch, Weg, Ort - diese drei Begriffe, die für mich das Lebenswerk von Pater Franz Jálics charakterisieren, scheinen mir zukunftsweisend zu sein. Wenn es der Kirche, wenn es uns gelingt, mehr davon zu haben, dann ist es möglich, die meines Erachtens große spirituelle Sehnsucht der Menschen heute aufzugreifen und "den Seelen zu helfen" - wie es Ignatius von Loyola ausgedrückt hat, zu dessen Orden Franz Jálics gehört.

P. Bernhard Bürgler SJ ist 1960 in Lienz (Osttirol) geboren und 1991 in den Jesuitenorden eingetreten. 1997 wurde er zum Priester geweiht. Er arbeitete als Spiritual, Psychotherapeut und Exerzitienbegleiter. Seit 2014 ist er Provinzial der Österreichischen Jesuitenprovinz.

Dieser Beitrag ist erschienen als Notiz in der aktuellen Ausgabe von "GEIST & LEBEN", der Zeitschrift für christliche Spiritualität.

letzte Aktualisierung am 26.01.2018