Deutsche Provinz der Jesuiten

Pietre Vive - Lebendige Steine

Die Gruppe "Pietre Vive" bietet in St. Michael in München ganz besondere Kirchenführungen.

In der Münchner Jesuitenkirche zeigt sich der Glaube in jungen Gesichtern

Sie sind nicht zu übersehen, in ihren limettengrünen Überjacken. Um 17 Uhr baut plötzlich im hinteren Kirchenschiff eine Gruppe junger Leute Poster und sogenannte Beachflags in leuchtendem Grün auf. Der Überraschungseffekt gelingt - neugierig fragen Kirchenbesucher nach. In München gibt es sie seit 2012, die Pietre Vive, die Lebendigen Steine. Es ist ein gutes Dutzend junger Leute, die einmal im Monat Neugierige durch die Jesuitenkirche St. Michael führen.

Die spirituelle Botschaft des Kirchenraums soll erschlossen werden.

"Das faszinierende an unserer Aufgabe ist, dass wir mit Leuten über Glauben sprechen, die zufällig in die Kirche kommen", sagt die Theologiestudentin Martina Edenhofer. Begleiterin der Münchner Gruppe ist die Neutestamentlerin Dr. Gudrun Nassauer. Sie ist schon lange dabei und weiß, worauf es ankommt: Keine Scheu haben, sich auf ein persönliches Gespräch mit Interessierten einzulassen.
Diese Interessierten, die häufig auch nur einzeln durch das barocke Kirchenschiff geführt werden, sind oft Touristen. Da finden sich dann vom bayerischen Barock begeisterte Amerikaner, Katholiken aus Lateinamerika und Südostasien genauso wie staunende Muslime. Letztere sind nicht nur Besucher aus arabischen Ländern. "Zuletzt war auch eine Schulklasse aus München da, mehrheitlich muslimisch", sagt Nassauer. "Und ich war erstaunt, dass diese mehr über den katholischen Glauben, über Maria und die Heiligen, über die Symbolik wussten als die beiden katholisch Getauften in der Klasse."

Kleine Gruppen oder sogar Einzelführungen sind gewünscht, damit das persönliche Gespräch auch möglich ist. Erstaunlicherweise haben auch viele Leute, die sich als katholisch sozialisiert zu erkennen geben,  anschließend noch viele Fragen. Die Führerinnen und Führer wissen nicht nur die Fakten, sie können auch mit Anekdoten aufwarten.

Hervorgegangen sind die Lebenden Steine, die Pietre Vive, vor etwas mehr als zehn Jahren aus einer Idee des italienischen Jesuiten Jean Paul Hernandez SJ, der in Sankt Georgen (Frankfurt/M.) promoviert hat. Seine Vision: Der Kirchenbesuch sollte auf die Glaubensbotschaft des Gebäudes und der Kunstwerke aufmerksam machen und die Begegnung der Kirchenführer mit den Besuchern als Gebet erlebt werden.

Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. (1 Petr. 2,4-5)

2003 formierte sich dann erstmals im Frankfurter Dom eine Gruppe junger Freiwilliger. Es sollten vor allem junge Menschen sein, um schon durch die Person zu verkünden: Der Glaube ist nicht nur was für die "Alten". Für viele, die durch einen Kirchenbesuch erstmals mit dem Glauben in Berührung kommen, sind die Lebendigen Steine das erste Gesicht der Kirche, und das ist "überaschenderweise" jung.

Umgekehrt ist es für die Ehrenamtlichen, die in München überwiegend Theologiestudenten sind, ein Lackmustest: Können sie die hohe Theologie, die sie an der Universität hören, herunterbrechen für der Kirche fern Stehende oder Andersgläubige? Ein Führer, der gerade zwei Araber auf Englisch durch die Kirche begleitet hat, meint: "Die Fragen sind oft sehr kritisch, sie stellen unseren eigenen Glauben auf den Prüfstand. Gleichzeitig sind die Erfahrungen für uns aber auch sehr bereichernd."

"Wenn dich jemand fragt: 'Zeig mir deinen Glauben!', dann nimm ihn mit in eine Kirche, zeig ihm ihren Schmuck und erkläre ihm die heiligen Bilder." (Johannes v. Damaskus, 8. Jh.)

Inzwischen gibt es diese Art der spirituellen Kirchenführung in 30 Städten weltweit, von München über Paris, Valencia, Bologna, Budapest, Warschau, Santiago del Chile. Selbst in Taiwan, wo die katholische Gemeinde in der Hauptstadt Taipeh Gottesdienst feiert, in Mexiko-Stadt und in Montevideo (Uruguay) sind Gruppen der Lebendigen Steine in Vorbereitung.

Gudrun Nassauer sieht den Erfolg der Pietre Vive in der Authentizität: "Es soll ein Gebetsgeschehen sein. Jeder Freiwillige soll sich bei der Ausarbeitung seiner Führung  fragen: 'Herr was willst du, dass ich den Leuten erzähle?' Das, was mich selbst berührt hat, kann ich auch am besten vermitteln." So ist Glaube keine innere Privatsache mehr, sondern ein öffentliches Bekenntnis, das durchaus Eindruck macht. (tt)

Führungstermine 2017: mittwochs 17.00 - 17.45 Uhr, 18.45 - 20.00 Uhr

  • Mittwoch, 14. Juni 2017
  • Samstag, 17. Juni 2017, 13.00-17.45 Uhr (Stadtgründungsfest)
  • Mittwoch, 12. Juli 2017
  • Mittwoch, 13. September 2017
  • Mittwoch, 11. Oktober 2017
  • Mittwoch, 8. November 2017

Weitere Informationen:
https://www.facebook.com/pietrevive.munich


letzte Aktualisierung am 10.06.2017