Deutsche Provinz der Jesuiten

Leben aus Gottes Wort

Heinz Greuling. © SJ-Bild/Monika Nonnenmacher

In vielen Werken und Einrichtungen sind wir Jesuiten auf das Engagement von unzähligen ehrenamtlichen Helfern angewiesen, ohne die wir den Dienst am Glauben für die Gerechtigkeit nicht leisten könnten. Einer davon ist Heinz Greuling, der sich seit Jahren in der Kölner Jesuitengemeinde Sankt Peter engagiert.

Dunkelblaue Jacke, schicker Schal, graue Hose, volles ergrautes Haar und ein unwiderstehliches optimistisches Lachen auf dem Gesicht: Das ist Heinz Greuling, 60 Jahre alt, und als Wissenschaftsjournalist Autor faszinierender Fernsehreportagen  wie zum Beispiel "Der andere Blick", ein Portrait des ersten deutschen Kommandanten der Internationalen Raumstation ISS, Alexander Gerst.

So einer soll ein Frommer sein? Der promovierte Physiker lässt sich gern so titulieren:   "Ja, ich bin fromm", lacht er. "Aber kein Frömmler."  Als Naturwissenschaftler? Sein naturwissenschaftliches Weltbild habe dem noch nie entgegengestanden. Schließlich seien viele berühmte Naturwissenschaftler  Christen gewesen. "Werner Heisenberg zum Beispiel oder Carl Friedrich von Weizsäcker."
Heinz Greuling engagiert sich seit vielen Jahren in der Kölner Jesuitengemeinde Sankt Peter: Im Pfarrgemeinderat, bei der Pressearbeit, beim Internetauftritt und - was ihm am wichtigsten ist - als Lektor.

Heinz Greuling bei der Fußwaschung am Gründonnerstag. © SJ-Bild/Joachim Sigl

Warum er das tut? "Wir als Christen müssen sichtbar sein. Wir müssen es erreichen, dass die Menschen wollen, dass wir da sind."

Dass das Wort Gottes in der heiligen Messe neben der Eucharistie Gewicht hat, ist ihm ein tiefes persönliches Anliegen. "Wer das Wort nicht kennt, kennt Christus nicht", sagt er. "Mich kann das Wort immer berühren, egal ob im  Gebet, in der Lesung oder im Evangelium."  Schließlich sei es ja das Wort, das die Christusbeziehung eines jeden nähre.

Dies ist auch der Grund, warum dem Lektor Heinz Greuling die Fürbitten  - nach Predigt und Credo in der Heiligen Messe gesprochen - besonders am Herzen liegen.  Fürbitten, die zum leeren  Ritual verkommen, an deren Ende die Gemeinde "Wir bitten Dich, erhöre uns" leiert, sind ihm ein Graus. Fürbitten sollten ins Wort bringen, was Menschen fühlen, spüren und ersehnen. "Denn wer nichts mehr ersehnt, ist tot", so Greuling.

Er meint, dass Lektoren keine Vorlagen benutzen, sondern Fürbitten eigentlich selbst formulieren sollten. Er tut das seit Jahren und inspiriert damit viele Gemeindemitglieder. "Wir sprechen von Bitten", sagt der engagierte Katholik. "Bitten für Andere - sie müssten Resonanz erzeugen und so formuliert sein, dass der Gläubige erst einmal vor Gott still wird und sich öffnen kann für seine Kraft. "Was kann man denn angesichts des unsäglichen Leidens von Menschen in diesen Tagen anderes tun, als erst einmal zu verstummen und seine Fassungslosigkeit vor Gott zu tragen?"

Gibt es ein Zitat im Neuen Testament, das ihn begleitet, wie andere der Tauf- oder Konfirmationsspruch? Da muss der gebürtige Kölner nicht lange nachdenken und zitiert druckreif aus dem ersten Kapitel des ersten Korintherbriefs: "Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft." (1 Kor 1,18) Dieses Paulus-Wort helfe ihm, Leiden und Scheitern anzunehmen, immer wieder aufzustehen und neu zu beginnen. "Es zeigt mir, dass ich auch in meiner Schwäche kraftvoll sein kann."

Brigitta Lentz

Der Lektor (lat. (Vor-)Leser) hat in der katholischen Kirche die Aufgabe, im Gottesdienst die für den jeweiligen Tag vorgesehenen Schriftlesungen vorzutragen. Schon im Jahre 155 erwähnt der Märtyrer Justin diesen gottesdienstlichen Dienst von Laien, den ab Mitte des 4. Jahrhunderts junge Männer versahen, die gleichzeitig eine schulische Bildung absolvierten und sich auf den Empfang der Weihen vorbereiteten. Heute werden Männer und Frauen und mit dem Lektorendienst beauftragt, die gefirmt und mindestens 16 Jahre alt sind. Die Liturgie sieht sonntags zwei Lesungen vor, die erste aus dem Alten Testament, die zweite aus der Apostelgeschichte oder den Briefen des Neuen Testaments. Die Gemeinde antwortet auf die Lesungen mit "Dank sei Gott". Der Lektor kann auch die Fürbitten vortragen oder auch den Antwortpsalm zwischen den beiden Lesungen, wenn kein Psalmist anwesend ist.

letzte Aktualisierung am 06.07.2017