Deutsche Provinz der Jesuiten

Die göttliche Liebe hat stets das letzte Wort

Was hat Ostern mit meinem Leben zu tun?

Von Pater Felix Schaich SJ, Berlin

Leiden und Sterben Jesu, was hat das mit meinem Leben zu tun? Und dann auch noch Auferstehung? Ist das ein Mythos, eine Erzählung, oder hat es wirklich etwas mit meinem Leben zu tun?

Ein Verstehen dieses großartigen Dramas kann nur gelingen, auch wenn ich Leid und Tod nicht schon persönlich erlebt habe, aber trotzdem Antworten suche auf die Fragen: Warum und wovon muss und will ich befreit werden?

Das Leben ist kein Spiel, kein Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen zwei gleichstarken Kräften, zwischen den Jedi-Rittern und der dunklen Seite der Macht wie in Star Wars. Das wäre eine Schwarz-Weiß-Sicht auf die Welt, die ihr und unserem Leben nicht gerecht werden würde, da es noch viele Grautöne dazwischen gibt. Die christliche Sicht auf die Welt und deren Antwort lautet vielmehr: Es gibt Übel in der Welt, es gibt Tod, aber dieses Dunkel hat nicht das letzte Wort, da die Liebe Gottes zu den Menschen alles übersteigt. Dietrich Bonhoeffer nannte Jesus "die Person gewordene göttliche Liebe" zum Menschen, die alles Leid, das Böse und den Tod auf sich zieht, in sich sammelt und dann überwindet. Diese göttliche Liebe will uns damit sagen, dass nicht das Böse und der Tod das letzte Wort haben, sondern die Liebe Gottes zu uns. Und diese Liebe als unsere Vorstellungskraft übersteigendes Geschehen zeigt sich in diesem Drama vom schmerzhaften Abschiednehmen an Gründonnerstag, in der grausamsten Todesstrafe der Kreuzigung an Karfreitag, in der quälenden Leere und Einsamkeit des Karsamstags bis hin zum finalen Happy End, der Erlösung in der Auferstehung an Ostern. Gibt es dafür ein stärkeres Bild als das geöffnete Grab und den auferstandenen Sohn Gottes in seiner Herrlichkeit?

Fenster der Herz-Jesu-Kirche in München-Neuhausen. © SJ-Bild

Dieses Drehbuch ist das Vorbild für jegliche Überwindung von Leid, Schmerz und Bösem in unserem Leben. Wir müssen da durch, aber "die Person gewordene Liebe Gottes" zu uns schenkt uns das Happy End, das Licht am Ende des Tunnels: wahre Freiheit von allem, was uns quält, neues, auferstandenes Leben! Das ist die Osterbotschaft, dass es nichts Größeres als die göttliche Liebe zu uns gibt und dass sie stets das letzte Wort hat - wenn wir sie in unserem Leben und in aller Freiheit glaubend annehmen können und wollen.

Pater Felix Schaich SJ ist 1978 geboren und 2001 in die Gesellschaft Jesu eingetreten. Er absolvierte die ordensübliche Ausbildung in Philosophie (München) und Theologie (Rom). 2010 wurde er zum Priester geweiht. Seit Ende 2012 ist er Geistlicher Leiter der Ignatianischen Schülerinnen- und Schüler Gemeinschaft (ISG), einem ignatianischen Jugendverband am Canisius-Kolleg in Berlin mit insgesamt über 650 Mitgliedern.

letzte Aktualisierung am 31.03.2018