Deutsche Provinz der Jesuiten

Sich sorgen um jeden Einzelnen

P. Ludger Joos SJ: "Als Kollegseelsorger bin ich Seelsorger für alle, die kommen möchten."

Sich sorgen um jeden Einzelnen - das war zehn Jahre lang der Job von Pater Ludger Joos SJ im Kolleg St. Blasien. Im Sommer wird der Kollegsseelsorger nach Göttingen wechseln, um dort eine neue Aufgabe als Pfarrer in St. Michael anzutreten.

Pater Ludger Joos SJ ist seit zehn Jahren der Kollegseelsorger am Kolleg St. Blasien. Er hört den Problemen von Kindern wie Erwachsenen zu, in Krisen ihres Lebens, zudem tragen kompetente Organisationen seine Handschrift. Nun geht diese Ära zu Ende und der Jesuit steht vor einem Wechsel in die jesuitische Gemeinde im Herzen von Göttingen als Gemeindeseelsorger. Wie fühlt er sich dabei? "Wenn ich in den Sommerferien meine Sachen packe, dann wird es hart", ist sich Pater Joos sicher. Denn wehmütig sei er schon, bekennt er offen. "Aber das spür' ich noch nicht, weil ich noch zu beschäftigt bin".

Draußen auf dem Flur entfernt sich der Pausenlärm der Mädchen und Jungen, als er ergänzt: Immer noch sei er eingespannt in verschiedene Projekte, wie die in der Kursstufe, die ihm auf der Seele liegen und die er gut abschließen möchte. Auch ein institutionelles Konzept zum Schutz von Kindern und Jugendlichen am Kolleg St. Blasien hat er maßgeblich mit entwickelt. Es wurde bei einer Informationsveranstaltung der Kollegsleitung im Rahmen des Pfingsfestes vorgestell.

Wenn es dann soweit ist, Mitte August, plant er zum Packen eineinhalb Tage ein, schmunzelt er. Eigentlich würden seine Sachen in ein normales Auto passen, aber wegen seines Fahrrads und der Skier werde er wahrscheinlich mit dem Kollegsbus umziehen.

Die Türe seines Lebens öffnete sich für Ludger Joos vor 50 Jahren in Gundelfingen bei Freiburg. Auch wenn er seine Lieblingsfächer Geschichte, Gemeinschaftskunde und katholische Theologie auf Lehramt in Freiburg studierte, rang er in der zweiten Studienhälfte mit sich. Er suchte nach Antworten auf Fragen wie: "Wie finde ich so was wie eine Heimat, wenn ich keine Familie gründen will, wenn die Sehnsucht, die innere Überzeugung dazu nicht da ist." "Dass ich Ausschau gehalten habe, nach etwas, wo ich mit dem ganzen Herzen dabei bin, ist etwas, was ich nie bereue", das weiß er heute. Über die Franziskaner lernte Ludger Joos Exerzitien kennen und über Exerzitien die Jesuiten. Nach der Ausbildung zum Lehrer und zwei weiteren Jahren findet er, was er sucht im Orden als Sohn der Kirche. Im Jahr 2003 wird er in München zum Priester geweiht.

War der kleine Ludger Joos schon fromm? Er wuchs in einem gläubigen Elternhaus auf. Dabei habe er eine Loyalität zur Kirche als Institution erleben können, durchaus auch kritisch betrachtet, meint er. Nie habe er etwas erlebt,wo die Kirche belastend gewesen sei, sondern immer als ein Raum der Freiheit und des freien Wortes. Zudem habe er sehr unterschiedliche Geistliche, auch Religionslehrer, erlebt, die ihn zum Teil als Menschen sehr beeindruckt haben, fügt er an. Einer seiner Religionslehrer etwa sei jemand gewesen, schiebt Joos ein, der einst im Kolleg ausgebildet wurde und selbst hier gearbeitet hat. Nicht ein Bekehrungserlebnis im strengen Sinn weckte in ihm den Wunsch für seinen Beruf, sondern ein Hineinwachsen und ein Schauen, wie er leben wolle.

Noch ist Pater Ludger Joos eingespannt und denkt noch nicht an den Umzug. Foto: Cornelia Liebwein

"Es stimmt, als Kollegseelsorger bin ich Seelsorger für alle, die kommen möchten", umschreibt Ludger Joos sein momentanes Aufgabenfeld. Aber im Grunde koordiniere er "ganz viel Seelsorge". Um die Seele und die Menschen im Einzelnen sich zu kümmern, sei eine Aufgabe von allen, die im Kolleg einen pädagogischen Auftrag haben, also den Internatspädagogen und den Lehrern.

Aber es gebe auch viele, die gar nicht so unmittelbar mit den Jugendlichen arbeiten, die für sich gegenseitig und auch für Kinder bisweilen Ansprechpartner sind. "Dieses Netzwerk von Menschen, die diese 'cura personalis' leben, also die Seelsorge als Sorge um jeden Einzelnen, das zu fördern und da Strukturen zu ermöglichen, das ist meine Aufgabe", fügt er an.

Ein Beispiel seien die Besinnungstage der Schüler. "Viele Schulen gehen in Häuser und überlassen die Tage der Orientierung Profis", sagt Pater Joos, "bei uns machen das sehr kompetent die Kollegen selbst". Es sei eine gemeinsame Aufgabe, die wahrgenommen wird, das sei das Besondere am Kolleg. "Man spürt den Geist der Offenheit und der Verantwortung", bekräftigt Pater Joos.

Dieser Text ist mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der "Badischen Zeitung". Text und Foto: Cornelia Liebwein

letzte Aktualisierung am 10.06.2017