Deutsche Provinz der Jesuiten

Aktuelles

01.06.2017

Am ersten Tag im neuen Amt: Provinzial besucht Flüchtlingsunterkunft

München - An seinem ersten Tag im Amt hat der neue Provinzial der Jesuiten, Pater Johannes Siebner SJ, heute früh eine Flüchtlingsunterkunft besucht. In einer Einrichtung der Landeshauptstadt München informierte sich der neue Obere der deutschen Jesuiten über Anliegen von geflüchteten Menschen sowie der Mitarbeitenden. Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst hat dort die Asylsozialberatung für rund 160 Asylsuchende übernommen, auch zwei weitere Einrichtungen des Ordens engagieren sich.

Zwei Themen belasten gerade viele Menschen in der Unterkunft, erfuhr der Provinzial: Die unsichere Situation insbesondere afghanischer Asylsuchender sowie Traumatisierungen, die aus Angst vor der Abschiebung wieder aufbrechen können. Im Aufenthaltsraum hängen Zeichnungen eines jungen Künstlers, der davon träumt, Schreiner zu werden - sofern sein Asylverfahren gut ausgeht. Als junger Mensch musste er allein aus Afghanistan fliehen. "Ich sehe Nachrichten und bin auf Facebook. Ich weiß, dass Deutschland viele afghanische Menschen abschieben will", sagte er. "Aber wenn ich eines gelernt habe auf meinem Weg, dann ist es: niemals aufzugeben." Provinzial Siebner betonte: "Niemand sollte in ein Land abgeschoben werden, in dem der Alltag derart gewalttätig und lebensgefährlich ist. Für eine christliche Politik sollte es selbstverständlich sein, denen Schutz zu gewähren, die sich in der Hoffnung auf Frieden zu uns flüchten." Bruder Dieter Müller SJ vom Flüchtlingsdienst ergänzte: "Dass gestern eine geplante Sammelabschiebung ausgesetzt wurde, ändert nichts an der existenziellen Unsicherheit afghanischer Flüchtlinge. Es ist unverantwortlich, dass immer mehr ablehnende Asylbescheide ausgestellt werden, während sich die Sicherheitslage verschlechtert."

Pater Johannes Siebner SJ informierte sich auch über das Frans-van-der-Lugt-Projekt, das dem 2014 in Homs ermordeten Jesuiten Frans van der Lugt SJ gewidmet ist. Er galt in seiner Wahlheimat Syrien als Mann des Friedens und des interreligiösen Dialogs. Das Projekt will Brücken bauen zwischen Geflüchteten, der Nachbarschaft und den Hochschulen. Dafür arbeitet der Jesuiten-Flüchtlingsdienst zusammen mit der Hochschule für Philosophie München sowie dem dort angesiedelten Institut für Gesellschaftspolitik. "Für den Orden ist das Projekt auch deshalb beispielhaft, weil sich hier drei Werke gemeinsam einbringen", erklärte Provinzial Siebner. "Es zeigt zudem in der Praxis, dass die Bildungsarbeit der Jesuiten immer mit einem scharfen sozialen Profil verbunden ist."

Das Frans-van-der-Lugt-Projekt will den Erfahrungen und Anliegen von Flüchtlingen gesellschaftlich mehr Gewicht verleihen. Es rückt in den Fokus, dass viele Geflüchtete - häufig trotz einer bedrückenden Gesetzeslage und existenzieller Unsicherheit - ihr Leben aktiv gestalten. "Wir wollen einer Politik etwas entgegensetzen, die auf Abschottung und Abschiebung setzt. Dagegen setzen wir Partizipation und Ermächtigung, soweit es unter diesen Rahmenbedingungen möglich ist", so Bruder Müller. "Nach unseren bisherigen Erfahrungen ist das für alle Beteiligten ein Gewinn."

Bereits am 30. Mai hatten zahlreiche Organisationen, u.a. der JRS, Mängel in den Asylverfahren kritisiert und gefordert, keine Abschiebungen nach Afghanistan durchzuführen. Die gemeinsame Stellungnahme finden Sie hier: http://tinyurl.com/yd2udrgq

Der Jesuit Refugee Service (Jesuiten-Flüchtlingsdienst, JRS) wurde 1980 angesichts der Not vietnamesischer Boat People gegründet. Heute ist er als internationale Hilfsorganisation in mehr als 50 Ländern aktiv. In Deutschland ist der Jesuiten-Flüchtlingsdienst für Asylsuchende, Abschiebungsgefangene und Flüchtlinge im Kirchenasyl tätig und setzt sich für Geduldete und Menschen ohne Aufenthaltsstatus ("Papierlose") ein. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind Seelsorge, Rechtshilfe und politische Fürsprache.




letzte Aktualisierung am 02.08.2017