Deutsche Provinz der Jesuiten

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04.12.2017

Hagenkord: Papst agiert manchmal gezielt undiplomatisch

Pater Bernd Hagenkord SJ im Studio von Radio Vatikan am Mikrofon.

Hamburg (KNA) - Der Jesuit und Vatikan-Journalist Bernd Hagenkord hat die Entscheidung des Papstes verteidigt, in Myanmar auf eine ausdrückliche Erwähnung der verfolgten Rohingya zu verzichten. Franziskus habe vor der schwer lösbaren Aufgabe gestanden, "Unrecht deutlich zu benennen, aber nicht noch mehr Schaden anzurichten", schrieb der Leiter der Deutschen Sektion von Radio Vatikan in einem Beitrag für die "Zeit" (Donnerstag). Dabei habe Franziskus schon Ende August "das größte Tabu" des buddhistischen Myanmar laut ausgesprochen, als er die brutale Verfolgung der religiösen Minderheit der Rohingya beklagte.

Dass der Papst sich im Vorfeld nicht an die von seinem Staatssekretariat empfohlene Zurückhaltung hielt, gehöre "zur politischen 'Methode Franziskus': Lieber zu wenig als zu viel Vorsicht", so Hagenkord. In Myanmar hätten die Worte des Papstes dazu geführt, dass zwei Treffen mit der Militärführung und mit Religionsvertretern ins Programm genommen wurden. "Was hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, wissen wir nicht. Aber: Wenn es Konzessionen gibt, dann entstehen sie aus solchen vertraulichen Treffen - und nicht aus offiziellen Reden."

Zur "Methode Franziskus" gehöre das Informelle und Außerplanmäßige, schrieb Hagenkord und erinnerte an einen spontanen Stopp des Papstes an der israelischen Sperrmauer bei einem Bethlehem-Besuch 2014. Mit diesem Stil tue sich die traditionelle Vatikan-Diplomatie schwer. Für den Papst seien es jedoch "immer wieder kleine Aktionen auf Reisen, die ihm Spielraum verschaffen". Dabei scheue er auch nicht "die Kosten eines offenen Wortes", so Hagenkord unter Verweis auf die Trump-Kritik, mit der sich der Papst Sympathien in den USA verscherzte. Als Jesuit denke Franziskus "dialektisch: Undiplomatisches Handeln und Sprechen ist manchmal die beste Diplomatie".




letzte Aktualisierung am 02.08.2017