Deutsche Provinz der Jesuiten

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13.02.2018

Sehnsucht: Seelen helfen

Sebastian Maly kündigte eine gute Stelle, um Ordensmann bei den Jesuiten zu werden. Seit September ist er Schulseelsorger am Canisius-Kolleg und am Samstag wird er zum Diakon geweiht. Die Geschichte einer Berufung.

Berlin - Eins stellt Frater Sebastian Maly sofort klar: „Ich bin nicht von irgendwo weggegangen, weil ich es musste.“ Direkt zum Anfang des Gesprächs tritt der dem Klischee von der Flucht in den Orden entgegen. Sebastian Maly hat sich entschieden, Jesuit zu werden, weil er das für sich als Weg erkannt hat.

Mit Ende 30 hat er seine Stellung in der Geschäftsstelle des Cusanuswerks, dem Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche, aufgegeben, um bei der Gesellschaft Jesu noch einmal etwas ganz Neues anzufangen. Heute sitzt er in Jeans und Kapuzenpulli mit Jesuiten-Aufdruck in einem Büro des Canisius-Kollegs in Berlin-Tiergarten, an dessen Tür „Schulseelsorge“ steht. Sein Weg dahin war nicht immer klar ersichtlich: „Mein Cousin wusste schon mit 15, dass er Priester werden wollte“, erinnert sich der 41-Jährige. Mit ihm habe er diskutiert: „Er war immer für den Zölibat, ich dagegen.“ Durch die Streitgespräche sei er nachdenklich geworden. Jesuiten kannte  Sebastian Maly schon damals, war er doch in der Jesuitenpfarrei St. Ignatius in Frankfurt/Main aufgewachsen. Ihren Leitspruch „Gott in allen Dingen finden“ konnte er sich gut vorstellen zu leben. Nach der Schule machte er erst einmal den Freiwilligendienst der Jesuiten, war in der Obdachlosenarbeit tätig. Danach ging er noch als Freiwilliger nach Taizé. Ein Jesuit hat ihn auf die Philosophie gebracht – also studierte Sebastian Maly in München Philosophie und Theologie. Er war im Bewerberkreis des Bistums Limburg und befand sich auf dem Weg zum Pastoralreferenten.

Ein Studienjahr in der Dormitio-Abtei in Jerusalem erschloss ihm den spirituellen Reichtum der Ostkirche. Außerdem lehrte es ihn großen Respekt vor dem Judentum und Islam. „So wurde ich zum Inklusivisten“, erzählt Maly weiter. Und fügt gleich an, was das bedeutet: „Bei aller Freude am Gemeinsamen: Die Achtung vor der Andersartigkeit der anderen gebietet mir auszuhalten, dass wir die Religionen nicht einfach zusammenbringen können.“ Es bleibe ihm nur die Hoffnung, dass Gott niemandem, der ernsthaft seinen Weg gegangen ist, die Tür vor der Nase zuschlagen werde. In Jerusalem hat der Frankfurter, so sagt er, „Freundschaften fürs Leben geschlossen“. Danach schloss er in München das Studium der Philosophie ab und in Münster das der Theologie. In dieser Zeit sei ihm geschenkt worden, eine längere Partnerschaft zu erleben. Das war während er an seiner Doktorarbeit schrieb, um die 30 war er, eine sehr schöne Beziehung, „aber sie ist nach dreieinhalb Jahren zu Ende gegangen“. Über sich selbst sagt der Mann, der heute Schülern mit ihren Fragen und Problemen zur Seite steht: „Das Intellektuelle ist eine Leidenschaft von mir.“ Viele Lebensfragen bekämen ihre Tiefenschärfe erst vor dem Hintergrund philosophischer Reflexion. Die Philosophie habe ihn aber auch das Zuhören gelehrt, denn sie fordere Achtsamkeit, Redlichkeit und Genauigkeit.  In diese Richtung wollte er sich dann auch beruflich orientieren. Daher nahm er eine Stelle beim Cusanuswerk an, denn dort konnte er tun, was seine Sehnsucht geworden war: „Animas iuvare“ – „Seelen helfen“. Eine Arbeit, die sowohl einen intellektuellen Aspekt hatte als auch einen menschlich-sozialen, dazu die Öffentlichkeitsarbeit – „das war eine gute Mischung“.

Doch dann kam die Lebenskrise. Burnout, zu viel gearbeitet. Die Doktorarbeit hatte Maly parallel zur Vollzeitstelle fertig gemacht und nun ging nichts mehr. In vier Monaten Auszeit stellte sich der junge Mann die Frage, was er wirklich wollte. „Früher habe ich immer eine 100-prozentige Sicherheit gewollt, um mich für den Orden und die Bindung zu entscheiden. Die Krise hat mir ermöglicht zu sagen: Ich brauche keine absolute Sicherheit, ich kann es einfach probieren – im Vertrauen darauf, dass es danach irgendwie weitergeht“. Und so wurde aus ihm Frater Maly, der Jesuit. Heute sagt er: „Bei Berufung geht es um Kontrollverlust“ und erinnert an das Weizenkorn, das nur wächst, wenn die Bereitschaft zum Loslassen da ist. Seit vier Jahren ist er im Orden und bereitet sich auf das Priestertum vor. Etwas erstaunt wirkt er über den eigenen Wandel: „Vor sechs, sieben Jahren habe ich mich noch gefragt: Kann ich auf Partnerschaft verzichten? Nun sehe ich, dass es geht.“ Seine Aufgabe ist jetzt, Gottesdienste, Besinnungstage, Abi-Exerzitien vorzubereiten und einfach für die Schüler da zu sein. Dort kann er wieder Seelen helfen, wenn er auch selbst nie an Schulseelsorge gedacht habe. Aber der Orden habe darum gebeten. Wenn er sich darauf einlasse, erfahre er immer wieder: „Gott müht sich für mich.“ Und das helfe, sagt er, damit auch die eigenen Widerstände dahinschmelzen.

Am 17. Februar weiht Erzbischof Heiner Koch Frater Sebastian Maly und seine Mitbrüder Frater Jörg Nies aus Ravenstein und Frater Clemens Kascholke aus Erfurt zu Diakonen. Der Gottesdienst in St. Canisius, Witzlebenstr. 30, Berlin-Charlottenburg, beginnt um 18 Uhr.

Cornelia Klaebe, Mit freundlicher Genehmigung der Kirchenzeitung Tag des Herrn. www.tag-des-herrn.de, Alle Rechte vorbehalten. © St. Benno-Verlag, Leipzig.




letzte Aktualisierung am 02.08.2017