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Gustav Gundlach

Gustav Gundlach SJ (1892-1963) war als Sozialwissenschaftler eine der zentralen Figuren der katholischen Soziallehre des 20. Jahrhunderts.

Geboren wurde er am 3. April 1892 zu Geisenheim im Rheingau. Nach anfänglichem Studium der Philosophie in Freiburg trat er am 31. Oktober 1912 in die Gesellschaft Jesu ein und empfing am 24. August 1923 die Priesterweihe. Er übernahm das Erbe des Sozialphilosophen und Nationalökonomen P. Heinrich Pesch, des Begründers des Solidarismus, der nach einem „Dritten Weg“ jenseits von Kapitalismus und Sozialismus Ausschau hielt. Ein Jahr nach dem Tode von Pater Pesch, 1926, promovierte Pater Gundlach an der Berliner Universität bei dem Soziologen und Wirtschaftswissenschaftler Werner Sombart über das Thema „Zur Soziologie der katholischen Ideenwelt und des Jesuitenordens“. Als Professor für Sozialphilosophie und Sozialethik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt und als Mitarbeiter der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ entfaltete er eine fruchtbare Tätigkeit, vor allem auch im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Das „Führerprinzip“ nannte er „uniformierend“ und „vereinerleiend“ und den „Tod echt organischen und fruchtbaren Zusammenlebens der Menschen“; am Ende „stände das Massendasein und die vollkommene Passivität der Geführten“.

Seit 1934 lehrte er an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Er stand in einem besonderen Vertrauensverhältnis zu Papst Pius XII. und trug entscheidend zur Vertiefung und zum systematischen Aufbau der katholischen Soziallehre bei. Maßgeblichen Einfluss hatte er auf die Enzyklika „Quadragesimo anno“ (1931): Klärung des Verhältnisses von Kapital und Arbeit, Formulierung des Subsidiaritätsprinzips (Subsidiarität), Unvereinbarkeit der sozialistischen und der christlichen Gesellschaftsauffassung. Er vertiefte das personale Fundament der katholischen Soziallehre: Ursprung, Träger und Ziel allen gesellschaftlichen Lebens ist die menschliche Person. Deshalb trat er für die personalen Ordnungsinstitutionen von Ehe und Familie, des Privateigentums und des Staates ein, ohne die auch die moderne Gesellschaft nicht lebensfähig ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ergriff Pater Gundlach auch in Deutschland immer wieder das Wort, um zu den die deutschen Katholiken bewegenden Fragen - Mitbestimmung, Eigentumsstreuung, Neoliberalismus, Neosozialismus, Atomkrieg usw. - wegweisend und schlagfertig Stellung zu nehmen. 1962 übernahm er von den deutschen Bischöfen den Auftrag, die „Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle“ in Mönchengladbach aufzubauen und zu leiten. Nach der Ernennung von Professor Joseph Höffner 1962 zum Bischof von Münster übernahm Gundlach als Gastprofessor dessen Vorlesungen in christlicher Soziallehre. P. Gundlach starb an den Folgen eines Herzinfarktes am 23. Juni 1963. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof des Franziskus-Hauses in Mönchengladbach.

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