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Oswald von Nell-Breuning

Pater Oswald von Nell-Breuning SJ war einer der führenden Vertreter der "Katholischen Soziallehre" und Impulsgeber für die Wirtschafts- und Sozialpolitik der frühen Bundesrepublik. Über die Grenzen von Parteien und Tarifpartner hinweg galt er bereits zu Lebzeiten als der "Nestor der katholischen Soziallehre".

Oswald von Nell-Breuning SJ wurde am 8. März 1890 als Sohn einer Adelsfamilie in Trier geboren. Nach einem kurzen Studienauftakt in den Disziplinen Mathematik und Naturwissenschaften studierte er Theologie und Philosophie. Nationalökonomisch bildete er sich autodidaktisch aus. 1911 trat er in die Gesellschaft Jesu ein; 1921 wurde er zum Priester geweiht. Am theologischen Fachbereich der Universität Münster promovierte er 1928 mit einer Arbeit über die "Grundzüge der Börsenmoral". Noch im selben Jahr wurde er als Professor für Moraltheologie, Kirchenrecht und Gesellschaftswissenschaft an die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen nach Frankfurt/M. berufen. Mit Unterstützung des sogenannten "Königswinterer Kreises", einer losen Vereinigung von katholischen Intellektuellen, leistete Nell-Breuning grundlegende Vorarbeiten für die 1931 erschienene Sozialenzyklika "Quadragesimo Anno" von Papst Pius XI.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zu einem angesehenen Berater in wichtigen staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen der sich formierenden Bundesrepublik Deutschland: Er war Mitglied im Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft (1948-1969), stellvertretender Vorsitzender des Wohnungswirtschaftlichen Beirates beim Bundesministerium für Städtebau und Wohnungswesen (1950-1958), Mitglied des Beirats beim Bundesministerium für Familien- und Jugendfragen (1959-1961) und seit 1959 Mitglied des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Zugleich war er als Professor und Dozent auch außerhalb der ordenseigenen Hochschule St. Georgen tätig: u.a. seit 1948 mit dem Lehrauftrag für Moraltheologie und Sozialethik an der Philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt/M., seit 1956 als Honorarprofessor für philosophische Grundfragen der Wirtschaft an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der gleichen Universität, oder ab 1949 mit Lehrtätigkeiten an der Frankfurter Akademie der Arbeit. Neben der kontinuierlichen Arbeit in diesen institutionalisierten Funktionen begleitete er in informellen Positionen direkt und indirekt die programmatischen Diskussionen und die politische Praxis der Gewerkschaften und der beiden großen Volksparteien SPD und CDU. Innerhalb des bundesdeutschen Katholizismus war er zeitweise ein gefragter Berater für kirchliche Gremien und Verbände. Dabei ragen seine Mitwirkung in der innerkatholischen Gewerkschaftsdiskussion der 50er Jahre, in der katholischen Mitbestimmungsdiskussion der 60er Jahre und schließlich sein Engagement in der Würzburger Synode der katholischen Bistümer Westdeutschlands (1971-1975) für das umstrittene Dokument "Kirche und Arbeiterschaft" heraus.

Für sein Lebenswerk wurden ihm zahlreiche Auszeichnungen unterschiedlichster Institutionen verliehen: der Guardini Preis der Katholischen Akademie in Bayern (1972), die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt (1977), die Leuschner Medaille des Landes Hessen (1979) oder der Hans-Böckler-Preis (1980). An seinem 100. Geburtstag wurde ihm vom damaligen Bundespräsidenten Dr. Richard von Weizsäcker das Großkreuz des Bundesverdienstordens verliehen.

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