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Peter-Hans Kolvenbach

Mehr als 24 Jahre lang leitete der Niederländer Peter Hans Kolvenbach SJ den Jesuitenorden in turbulenten Jahre. Als erster Generaloberer in fast 500 Jahren Ordensgeschichte trat er zu Lebzeiten freiwillig vom Amt zurück.

Geboren wurde Peter-Hans Kolvenbach SJ am 30. November 1928 in Druten bei Nimwegen. Er trat am 7. September 1948 in die Gesellschaft Jesu ein. 1958 kam er zum Studium in den Libanon, empfing dort die Priesterweihe und spezialisierte sich auf orientalische Sprachen. Er promovierte über armenische Literatur, wurde Professor für Sprachwissenschaften an der katholischen Universität in Beirut und war 1974 bis 1981 Provinzial für den Nahen Osten. Er wurde unmittelbar Zeuge der erbitterten Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen im Libanesischen Bürgerkrieg ab 1975. Ein Sprengsatz zerstörte sein Arbeitszimmer. 1981 wurde er zum Rektor des Päpstliches Orientalischen Instituts in Rom ernannt.

Am 13. September 1983 wurde Kolvenbach von der 33. Generalkongregation schon im ersten Wahlgang zum Nachfolger des damals schwer kranken Basken Pater Pedro Arrupe SJ gewählt. Zwei Jahre zuvor hatte Papst Johannes Paul II. persönlich in die Belange des Jesuitenordens eingegriffen und - ein Novum in der Ordensgeschichte - mit den Apostolischen Delegaten Pater Paolo Dezza SJ und Giuseppe Pittau SJ eine kommissarische Leitung eingesetzt. Als Generaloberer leitete Kolvenbach von 1983 bis 2008 den Orden mit großer Umsicht und Weitsicht. Als besonders gut informierter Experte in Sachen Vatikan und Kirchenleitung wurde er in Rom rasch zum gefragten Ratgeber. Regelmäßig vertrat er die Ordensgemeinschaften bei den Treffen der Weltbischofssynoden. Dabei hielt er sich jedoch stets unaufdringlich im Hintergrund. Als Zeichen der Wertschätzung bat Johannes Paul II. den Generaloberen 1988, die Fastenexerzitien für den Papst und seine engsten Mitarbeiter zu halten.

1995 stand er der 34. Generalkongregation vor, die sich neben vielen anderen Themen auch mit einer Neuformulierung der Sendung des Ordens in der modernen Zeit beschäftigte und sogenannte "Ergänzende Normen" beschloss, eine Erläuterung der Ordenssatzungen der Gesellschaft Jesu.

2006 bat Kolvenbach den Papst um Erlaubnis zum Rücktritt vom Amt des Generaloberen, und Papst Benedikt XVI. signalisierte grünes Licht. Anfang 2008 nahm die 35. Generalkongregation der Gesellschaft Jesu den Rücktritt an - damals ein einmaliger Vorgang in der fast 500-jährigen Ordensgeschichte. Vor wenigen Wochen ist auch sein Nachfolger, Pater Adolfo Nicolás SJ, von seinem Amt zurückgetreten, und die 36. Generalkongregation wählte den Venezolaner Pater Arturo Sosa SJ zum jetzigen Generaloberen.

Kurz vor seinem 88. Geburtstag starb er am 26. November 2016 in Beirut, wo er seit seinem Rücktritt 2008 gelebt hatte. In einem Beileidstelegramm an den derzeitigen Generaloberen Pater Arturo Sosa SJ würdigte   Papst Franziskus das "großzügige Engagement" des Verstorbenen im Dienst der Kirche.

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