Deutsche Provinz der Jesuiten

Was mir die Fastenzeit bedeutet?

Fasten schärft die Sinne

Fasten schärft die Sinne. Wir lernen durch die Einschränkung des Konsums wieder die kleinen Dinge zu bemerken und zu schätzen. Oft sind es die kleinen, versteckten Dinge, die das Leben ausmachen. Im Alltag verschwindet so vieles unter der Oberfläche. Deshalb ist mein Vorsatz für die nächsten Wochen genauer hinzusehen, zu spüren was wächst, wie der Krokus, der sich durch das verwelkte Laub schiebt. Somit ist für mich der Frühling unweigerlich mit dem Gefühl der Auferstehung verbunden. Erst durch den bewussten Verzicht lernt man die schönen Momente des Lebens wieder intensiver schätzen.

Marlies Woerz

Internatsleiterin des Kollegs St. Blasien (Schwarzwald).


Treibsand

Ich mag es, ein Getriebener zu sein. Ein berstender Terminkalender, unter Druck kreativ sein, das Unmögliche frech anpacken, mich über die Grenzen im Kopf hinweg ins Neuland treiben ... das alles gefällt mir. Doch ahne ich tief unten, dass mein Treiben ein Flackern, ein Windhauch ist. Fasten heißt dann, die Bewegungen des Geistes zur Ruhe kommen zu lassen: mich selbst ausgraben unter meiner Geschäftigkeit.

Godehard Brüntrup SJ

Pater Godehard Brüntrup SJ, geboren 1957, ist Professor für Philosophie und Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Philosophie und Motivation, außerdem Vizepräsident der Hochschule für Philosophie in München.


Meinem eigenen Schatten kann ich nicht davonlaufen

Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet.
Denn Erleuchtete aber ist Licht...
...und Christus wird dein Licht sein.  (Eph 5,13f)

Ich versuche in dieser Zeit, bewusst einen Gang runterzuschalten und mir mehr Zeit für mich selbst zu nehmen. Indem ich mich zu sammeln versuche, werde ich mir bewusst, wie oft ich mich im Jahre verliere. Nicht mich hingebe, sondern mich verliere! Das ist schade, schlimmer, ein echter Schaden. War es nicht der Heilige Bernhard, der gesagt hat: "Wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein?"

Zeit für mich haben erscheint verlockend, solange es beim Vorhaben bleibt. Wenn ich mich dann dazu aufraffe, setzen unmittelbar Fluchttendenzen ein. Ein Schatten, mein Schatten, wird sichtbar.... Ich kann ihn  nicht einfach abschütteln, so schnell ich ihm auch wegzulaufen versuche. Erst im österlichen Licht verliert der Schatten seine bedrohlichen Konturen. Was mich zu  einem meiner Lieblingstexte im NT führt: "Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. Denn alles Erleuchtete ist Licht. Deshalb heißt es: 'Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten und Christus wird dein Licht sein.'" (Epheser 5,13f) Auf das Licht der Osternacht freue ich mich - jedes Jahr neu!  

Stefan Dartmann SJ ist 1956 in Gelsenkirchen geboren und 1978 in den Jesuitenorden eingetreten. Er war von 1986 bis 2004 als Seelsorger in St. Eugenia in Stockholm/Schweden und von 2004 bis 2010 Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten, danach Hauptgeschäftsführer von Renovabis, der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa. Seit 2015 ist er Rektor des "Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum" - kurz: Germanicum - in Rom.


Du zeigst mir den Pfad zum Leben

Labyrinthgarten im Exerzitienhaus Ahmsen. © SJ-Bild/Christian Ender

Fasten als sanftes Aufbrechen: achtsamer und ausgewogener werden in den kleinen Dingen des Alltags, dankbar für das vermeintlich Selbstverständliche. Im Entgiften von Körper und Geist wachsam sein, um wahrhaftiger zu leben. Jeden Tag beginnen mit einer freudvollen Ausrichtung, den Tag beenden mit Wertschätzung für alles, was war - in Stille akzeptieren, was gespiegelt wird ohne zu urteilen, das fällt mir nicht immer so leicht. Fastenzeit als Übungsraum: ich lerne und wachse in allem, was mir begegnet, das macht mich freier und friedvoll. Das alte Symbol des Labyrinthes und ein Psalmmotiv helfen mir dabei "Du zeigst mir den Pfad zum Leben, vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle." (Ps 16,11)

Ulrike Gentner
Diplom-Theologin/Diplom-Pädagogin

Stellvertretende Direktorin und Leiterin der Familienbildung im Heinrich Pesch Haus/Katholische Akademie Rhein-Neckar, Ludwigshafen am Rhein
E-Mail: gentner(at)hph.kirche.org

letzte Aktualisierung am 27.03.2017