Glossar

Gehorsam

Warum versprechen Ordensleute Gehorsam?

Das Gehorsamsgelübde ist einer der drei evangelischen Räte (Armut, Keuschheit, Gehorsam), nach denen Mitglieder katholischer Ordensgemeinschaften leben. Er bedeutet, dass sich die Ordensleute von ihren Vorgesetzten in Aufgaben senden lassen und auf diese Weise auf den Willen Gottes hören. Dieses Gelübde soll ihnen helfen, ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen zurückzustellen und sich ganz dem Dienst an Gott und den Menschen zu widmen.

Im Jesuitenorden spielt das Gehorsamsgelübde eine größere Rolle als bei anderen Ordensgemeinschaften. Das liegt mitunter daran, dass die Jesuiten eine über die ganze Welt verstreute Organisation sind, deren Mitglieder zugleich in ihrem eigenen Wirkungskreis selbständig handeln und doch, wenn die Sache dies erfordert, jederzeit bereit sind, sich durch den Oberen an einen anderen Einsatzort senden zu lassen. Der Gehorsam hat im Jesuitenorden seine geistlichen Wurzeln in der Nachfolge Jesu Christi als dem Gekreuzigten.

Wem gegenüber gilt der Gehorsam bei Jesuiten?

Der Gehorsam, den der Jesuit verspricht, gilt seinem Oberen, dessen wichtigste Aufgabe es ist, Sorge für das einzelne Ordensmitglied (Cura personalis) und Sorge für die seelsorglichen Aufgaben des Ordens (Cura apostolica) zu tragen. Im gemeinsamen Dialog bemühen sich der Obere und der einzelne Jesuit um einen offenen Austausch, damit der Gehorsam nicht nur in der Autorität des Oberen und in einer passiven Haltung des Ordensmitglieds besteht. Vielmehr geht es darum, gemeinsam den Willen Gottes zu suchen und zu finden.

Warum versprechen Jesuiten Gehorsam auch dem Papst gegenüber?

Jesuiten legen ein zusätzliches Gelübde des Gehorsams gegenüber dem Papst ab. Dieses besondere Gelübde, auch als „Viertes Gelübde“ bekannt, verpflichtet die Jesuiten, die Anweisungen des Papstes in Bezug auf ihre missionarischen Einsätze und apostolischen Aufgaben zu befolgen. Das Gehorsamsgelübde der Jesuiten gegenüber dem Papst ist auf diese Sendungen durch den Papst beschränkt.

Das Gelübde des Papstgehorsams ermöglicht es Jesuiten, flexibel und weltweit tätig zu sein, da sie direkt dem Papst und nicht den lokalen Bischöfen unterstellt sind. Dadurch können sie schnell auf die Bedürfnisse der Kirche und der Welt reagieren und ihre Mission dort durchführen, wo sie am dringendsten benötigt wird.

Nicht alle Jesuiten legen das Gehorsamsgelübde gegenüber dem Papst ab, sondern nur diejenigen, die zur feierlichen Profess als den letzten Gelübden zugelassen sind.

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