Glossar

Geistlicher Begleiter (*Spiritual)

Wer ist ein Geistlicher Begleiter?

„Geistlichen Begleiter“, „Geistliche Begleiterin“ bzw. „Spiritual“ nennt man im westlichen Christentum Frauen oder Männer, die aus eigener Erfahrung und mit besonderer Ausbildung befähigt sind, andere im geistlichen Leben zu begleiten. Während sich in östlichen Religionen, aber auch in der Ostkirche, „Schüler“ an ihren „Meister“ sehr persönlich binden, bevorzugt die katholische Tradition eine stärker formale Rolle ohne diese persönliche Bindung. 

Jesuiten suchen sich daher als Spiritual eher einen solchen Jesuiten, der nicht in derselben Kommunität wohnt, oder auch eine erfahrene Frau oder einen Mann außerhalb des Ordens. Sie treffen sich mit ihm oder ihr etwa monatlich zur geistlichen Begleitung. Ein solcher Spiritual oder Geistlicher Begleiter hilft anderen Jesuiten, die ignatianische Spiritualität zu vertiefen und die persönliche Berufung zu klären.

Darüber hinaus sind einzelne Jesuiten speziell beauftragt, als Spiritual oder in der geistlichen Begleitung für andere tätig zu sein – für Priester und Priesteramtskandidaten, Ordensleute oder allgemein erwachsene Männer und Frauen, die eine geistlichen Begleitung suchen, um im Glauben zu wachsen.

In späteren Ordensjahren gibt es auch Jesuiten, die sich statt mit einem einzelnen Spiritual in kleinen Gruppen zusammentun, um sich gegenseitig in Gebet und Gespräch geistlich zu begleiten.

Was macht ein Geistlicher Begleiter?

Die Aufgaben eines Geistlichen Begleiters bzw. Spirituals sind vor allem geistlich und individuell ausgerichtet:

  • Begleitung bei den Exerzitien: Bei den Exerzitien begleitet der Spiritual die Jesuiten oder andere durch tägliche Gespräche und geistliche Impulse.
  • Hilfe in der Unterscheidung der Geister: Er hilft im Gespräch, innere Regungen zu deuten und den Willen Gottes zu erkennen. Er hält sich aber zurück und nimmt keine Entscheidungen vorweg, sondern hilft lediglich zu unterscheiden, was eine gute Entscheidung im jeweiligen Kontext sein kann.
  • Einübung in die ignatianische Spiritualität: Ein Jesuit wird als Spiritual helfen, die ignatianische Spiritualität nicht nur zu verstehen, sondern zu leben. Dazu gehören beispielsweise der Tagesrückblick, das persönliche Gebet und die Betrachtung biblischer Texte.
  • Beichte: Ob ein Spiritual, wenn er Priester ist, auch mit denen, die er geistlich begleitet, das Sakrament der Versöhnung (Beichte) feiert, kann frei vereinbart werden. Manche ziehen es vor, die Beichte bei ihrem Spiritual abzulegen, manche wollen das getrennt halten.
  • Vertrauliche Gespräche: Der Spiritual ist kein Vorgesetzter, sondern ein geistlicher Begleiter – außerhalb der Hierarchie, im „forum internum“, also im Bereich strikter Vertraulichkeit. Deswegen ist es möglich, mit ihm vertrauliche Gespräche zu führen, die in die Tiefe gehen, ohne Angst haben zu müssen, was man von sich preisgibt.

Welche Bedeutung hat ein Geistlicher Begleiter für andere Jesuiten?

Für Jesuiten ist es zentral, lebensbegleitend immer wieder einen Geistlichen Begleiter bzw. Spiritual zu haben, der ihnen dabei hilft, aus der ignatianischen Spiritualität heraus zu leben. Er unterstützt sie bei Entscheidungen, etwa bei der Wahl von Aufgaben oder Lebenswegen, und bietet ihnen einen geschützten Raum, um über persönliche und geistliche Fragen zu sprechen.

Da ein Spiritual kein Vorgesetzter sein soll, können Jesuiten ihm gegenüber wirklich offen sein. Das ist besonders in der Ausbildungszeit (→ Noviziat, Tertiat) wichtig, denn mit dem Spiritual kann der betreffende Jesuit vertraulich über seine inneren Prozesse sprechen. Das Gespräch mit ihm bietet einen geschützten Raum, in dem auch Zweifel, Ängste oder persönliche Themen Platz haben.

Ignatius von Loyola beschreibt geistliche Begleitung als ein Mitgehen auf dem Weg, nicht als Belehrung. So kann man sich einen Spiritual vorstellen: Er ist ein Begleiter auf dem eigenen Weg – geistlich, persönlich und spirituell.

Wer wird Geistlicher Begleiter?

Die allermeisten Jesuiten bieten für Jesuiten oder Auswärtige geistliche Begleitung an, aber manche machen das sozusagen „hauptberuflich“. Sie haben dann z.B. für die Mitarbeitenden in einem Bistum oder ein Ausbildungshaus die feste Aufgabe des Spirituals. Das sollte ein erfahrener Jesuit sein, der mit der ignatianischen Spiritualität tief vertraut ist, eine vertiefte Ausbildung in geistlicher Begleitung hat, große Erfahrung mit den Exerzitien sowie persönlicher Reife und Empathie mitbringt. Der Provinzial wird Jesuiten mit dem Amt des Spirituals beauftragen, die auch eine psychologische Kompetenz erworben haben, etwa durch Fortbildungen in Logotherapie, Gestalttherapie oder kontemplativer Praxis.

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