Gott suchen und finden in allen Dingen
Was meinte Ignatius, wenn er von „Gott suchen und finden in allen Dingen“ sprach?
Die ignatianische Spiritualität ist eine Spiritualität bzw. Frömmigkeit, die der Welt gegenüber positiv eingestellt ist, weil die Welt Gottes Schöpfung und der Mensch Gottes Ebenbild ist – auch wenn die Schöpfung durch die Sünde entstellt ist. Ignatius von Loyola will die Trennung „göttlich und weltlich“, „heilig und profan“ überwinden, weil im Letzten alles Geschaffene göttlich ist und wir Menschen Gott in allen Dingen, Geschehnissen, Begegnungen und Handlungen finden können.
Welche Bedeutung hat der Grundsatz „Gott suchen und finden in allen Dingen“ für das Gebet im Jesuitenorden?
Eines Tages bat ein Jesuit in einem Ausbildungshaus um die Erlaubnis, die Gebetszeiten zu verlängern. Die Antwort des heiligen Ignatius von Loyola war:
„Es wäre gut, wenn er darauf schaute, dass Gott sich nicht nur dann des Menschen bedient, wenn er betet. Denn wenn es so wäre, dann wären die Gebete zu kurz, wenn sie weniger als vierundzwanzig Stunden am Tag dauerten, wenn es möglich wäre; denn der ganze Mensch muss sich, so vollständig er kann, Gott geben. Aber es verhält sich so, dass Gott sich anderer Dinge zuweilen mehr als des Gebets bedient, und so sehr, dass er sich um ihretwillen freut, wenn man das Gebet unterlässt, wie viel mehr, dass es abgekürzt wird. Es ist also angebracht, immer zu beten und nicht nachzulassen; aber indem man es gut versteht, wie die Heiligen und Gelehrten es verstehen.“ (27. Juli 1549)
„Betet ohne Unterlass“ (1 Thess 5,17) bedeutet schließlich nichts Anderes, als aus der Vertrautheit mit Gott zu leben.
Wie kann im Alltag gelebt werden, Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden?
Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden betont, dass Gott in allen Aspekten des Lebens gegenwärtig ist und dass man ihn in jeder Situation und Erfahrung finden kann. Im Alltag kann das konkret bedeuten:
- Alltägliche Präsenz Gottes: Der Leitgedanke des heiligen Ignatius von Loyola, Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden, ermutigt, Gottes Gegenwart nicht nur in außergewöhnlichen oder religiösen Momenten zu suchen, sondern auch im Alltag: in den kleinen und gewöhnlichen Dingen des Lebens.
- Ganzheitliche Spiritualität: Die Sichtweise des heiligen Ignatius, Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden, fördert eine ganzheitliche Spiritualität, die alle Bereiche des Lebens umfasst – Arbeit und Beziehungen, Natur und Kunst, Leib und Seele. Alles kann zum Ort der Begegnung mit Gott werden.
- Achtsamkeit und Reflexion: Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden, ermutigt zu einer Haltung der Achtsamkeit und Reflexion, bei der bewusst nach Gottes Wirken in den täglichen Erfahrungen gesucht wird. Dies kann durch Gebet, Meditation und den abendlichen Tagesrückblick geschehen: Man lässt den Tag Revue passieren und entdeckt Gottes Spuren.
- Handeln aus dem Glauben heraus: Der Grundgedanke, Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden, inspiriert dazu, aus dem Glauben heraus zu handeln und in allem, was man tut, nach Gottes Willen zu suchen. Das bedeutet, sich für Gerechtigkeit, Frieden und das Wohl anderer einzusetzen.
Das Bemühen, Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden, hilft dabei, eine tiefere und persönlichere Beziehung zu Gott zu entwickeln und ihn in allen Aspekten des Lebens zu erkennen.