Konsultor
Warum gibt es das Amt des Konsultors?
Im Unterschied zu den alten Ordenstraditionen, z.B. der Benediktiner, Franziskaner oder Dominikaner, haben die Gründer des Jesuitenordens wenig demokratische Strukturen vorgesehen, sondern einzelnen Personen als Oberen die Entscheidungen anvertraut (→ Superior). Als Gegengewicht dazu ist aber jeder Obere verpflichtet, Berater anzuhören, die er sich nicht selbst aussuchen kann. Die Konsultoren müssen offen und frei ihre Meinung sagen – die Entscheidung und Verantwortung aber hat allein der Obere.
Diese Konsult-Struktur ist tief verwurzelt in der ignatianischen Tradition der Unterscheidung der Geister und der gemeinsamen Suche nach Gottes Willen. Sie soll verhindern, dass Entscheidungen vorschnell, unüberlegt oder ohne Kenntnis aller Aspekte getroffen werden. So fördert die Konsult-Struktur eine „synodale“, geistlich fundierte Leitungskultur. Die Rolle des Konsults ist von hoher Bedeutung, da sie zu Transparenz, Mitverantwortung und geistlicher Unterscheidung beiträgt.
Wer ist ein Konsultor im Jesuitenorden?
Ein Konsultor ist ein Mitglied eines Beratungsgremiums innerhalb des Jesuitenordens, das den jeweiligen Oberen (dem General, dem Provinzial oder dem Hausoberen in einer Kommunität) bei wichtigen Entscheidungen unterstützt. Die Konsultoren bilden für den Oberen den sogenannten „Konsult“ als ein beratendes Gremium. Das Wort „Konsultor“ kommt vom lateinischen Verb „consultare“, auf Deutsch „beraten“. Die Konsultoren des Hausoberen werden vom Provinzial, die des Provinzials vom General und die des Generals von der gewählten Generalkongregation ernannt.
Welche Aufgaben hat ein Konsultor?
Die Hauptaufgabe eines Konsultors besteht darin, den Oberen in der Leitung der Gemeinschaft und bei strategischen Entscheidungen zu beraten.
Auf Provinzebene gehören dazu etwa die Beratung bei Personalentscheidungen (z.B. Versetzungen, Aufnahme von Novizen, Entlassungen), Finanz- und Verwaltungsfragen oder der Planung von großen Projekten. Für den Provinzial ist der monatlich ein- bis zweitägige Provinzkonsult mit meist vier Konsultoren das wichtigste Beratungsgremium. Daneben muss er sich aber auch mit den Leitern der Werke, mit den Superioren der Kommunitäten oder mit Fachleuten beraten. Für wirtschaftliche Fragen hat er darüber hinaus eine auch mit externen Fachleuten besetzte Finanzkommission, die er in wichtigen Fragen hören muss.
In einer Kommunität soll sich der lokale Superior über alle Fragen seiner Leitung beraten. Hier werden viele Fragen aber von vorneherein mit allen Mitgliedern der örtlichen Kommunität besprochen, vor allem, wenn diese nicht sehr groß ist.
Wer wird Mitglied im Provinzkonsult?
Ein Konsultor des Provinzials sollte ein erfahrener Jesuit sein, der den Orden, seine Mitglieder und Werke gut kennt, aber auch ein tiefes Verständnis für die ignatianische Spiritualität mitbringt, die alle den Orden betreffenden Entscheidungen prägen sollte. Darüber hinaus muss er Verantwortungsbewusstsein, geistliche Reife und Diskretion zeigen, um die lokalen und übergeordneten Strukturen des Ordens wissen und bereit sein, sich mit anderen Jesuiten im Konsult auszutauschen – auch wenn die Meinungen dabei auseinandergehen können.
Die Konsultoren des Provinzials werden durch den Generaloberen berufen, der dazu den Rat von Jesuiten aus der betreffenden Provinz einholt. Der Provinzial kann – mit dem Votum des bisherigen Konsults – dazu Vorschläge machen.