Pontifex Maximus
Woher kommt der Ausdruck „Pontifex Maximus“?
„Pontifex“ ist aus den beiden lateinischen Wörtern „pons“, Brücke, und „facere“, machen, zusammengesetzt und bedeutet somit „Brückenbauer“. Das hat wahrscheinlich auch mit der ursprünglichen Bedeutung zu tun, denn es gibt die Theorie, wonach sich der Pontifex in Rom zu Beginn auch um Bau und Unterhalt von Brücken zu kümmern hatte. Offiziell lautet der Titel „Summus Pontifex Ecclesiae Universalis“, übersetzt aus dem Lateinischen heißt das „Höchster Brückenbauer der Weltkirche“.
Wer trug ursprünglich den Titel „Pontifex Maximus“?
Sicher ist, dass sich der „Pontifex Maximus“ in den Jahrhunderten der römischen Republik zu einem Wahlamt entwickelte, dessen Inhaber die Aufsicht über die Ausübung des religiösen Kults hatte und damit der oberste Priester Roms war. In dieser Funktion hatte er auch politischen Einfluss und konnte durchaus eine Senatssitzung oder eine Volksversammlung torpedieren, indem er zum Beispiel die Sichtung eines Blitzes meldete. Damit war an diesem Tag keine ordentliche Sitzung mehr möglich. Dies machte sich beispielsweise Julius Cäsar zunutze und übernahm dieses Amt zur Kontrolle des Senats. Auch reformierte er in dieser Eigenschaft den römischen Kalender. Ab Augustus trugen dann alle Kaiser den Titel „Pontifex Maximus“, der damit Teil der kaiserlichen Funktionen geworden war.
Mit der Christianisierung Roms verlor das Amt zunächst seine Bedeutung, wobei Konstantin sicher auch der Verantwortung für Ordnung religiöser Fragen in seiner Aufgabe als „Pontifex Maximus“ folgte, als er heuer genau vor 1.700 Jahren das Konzil von Nicäa einberief, das Glaubensstreit schlichten und sicherstellen sollte, dass es nur eine christliche Religion gibt.
Wie kam es, dass Päpste den Titel „Pontifex Maximus“ tragen?
In der Spätantike übernahmen die byzantinischen Kaiser den Titel des „Pontifex Maximus“ nicht, sodass „Pontifex“ als Titel für die Bischöfe von Rom frei wurde. Davon leitet sich auch das Wort „pontifikal“ ab, bischöflich. Papst Damasus verwendete Ende des 4. Jahrhunderts zum ersten Mal das heidnisch konnotierte Pontifex als Selbstbezeichnung des Bischofs von Rom. Das Adjektiv „maximus“ kam erst während des abendländischen Schismas unter Bonifatius IX. (1389–1404) hinzu. Es sollte die Legitimität seines Anspruchs gegenüber seinem Gegenpapst unterstreichen und im Zeitalter von Renaissance und Humanismus auf das Alter des römischen Bischofssitzes und die Kontinuität Roms verweisen.
Trägt der Papst heute auch noch den Titel „Pontifex Maximus“?
Hatte das 1. Vatikanische Konzil die Rolle des Papstes zu stark betont, nahmen sich Johannes XXIII. und Paul VI. beim 2. Vatikanischen Konzil zurück, letzterer unterschrieb die Konzilsbeschlüsse mit Paulus, Bischof der katholischen Kirche. Schon Johannes XXIII. hatte sich meist als Bischof von Rom bezeichnet und Benedikt XVI. strich 2006 den Titel „Patriarch des Abendlandes“ nach über 1500 Jahren aus der Liste der Papsttitulaturen. Der Titel kehrte aber 2024 wegen seiner ökumenischen Bedeutung wieder zurück.
Warum ist der Papsttitel „Pontifex Maximus“ so bekannt?
Dass „Pontifex Maximus“ dennoch zu einem der bekanntesten Titel des Papstes wurde, liegt wohl daran, dass das dahinterstehende Bild den Menschen gefällt. Es beschreibt einen Papst, der die Brücke baut zwischen Himmel und Erde, zwischen den Menschen und manchmal sogar als Friedensstifter zwischen verfeindeten Regimen oder Völkern. Damit drückt der Titel die besondere, weltweite Autorität und Aufgabe dieses Amts aus, die weit über die Kirche hinausreicht.
„Unter allen Titeln des Papstes ist ‚Pontifex Maximus‘ nicht mein Favorit“, sagt Pater Steiner. „Ich finde ihn etwas zu bombastisch und bevorzuge die nüchternen Titel, die die Rolle beschreiben und unterscheidbar machen, in denen der Papst etwas sagt oder tut: als Bischof von Rom etwa oder als Patriarch des Abendlands. An diesen Titel kann auch die orthodoxe Kirche gut andocken. Gern mag ich auch einfach nur Papst, Papa.“