Superior (*Oberer)
Wer ist ein Superior?
Ein Superior oder eine Superiorin (deutsch: „übergeordnet“ oder „Oberer“) sind in Ordensgemeinschaften die Mitglieder, denen eine Leitung innerhalb der Gemeinschaft übertragen ist. Die Jesuiten kennen Superioren für eine konkrete lokale Gemeinschaft (→ Kommunität), die „Höheren Oberen“, die eine Provinz leiten, und den „Allgemeinen Oberen“ (englisch: „general superior“), der dem weltweiten Orden vorsteht. Deswegen spricht man kurz auch von „Pater General“.
In welchen Ordenskontexten gibt es einen Superior?
Superioren gibt es auf drei Ebenen:
- Superior einer Jesuitenkommunität: Dieser Jesuit leitet eine lokale Kommunität von Jesuiten, also eine konkrete Wohn- und Arbeitsgemeinschaft von Jesuiten an einem Ort.
- Superior einer Provinz: Jede Provinz hat einen höheren Superior, den Provinzial.
- Generaloberer: Auf der weltweiten Ebene leitet der allgemeine Obere (lateinisch: „superior generalis“), der Generalobere, den Orden.
Warum gibt es Superioren im Jesuitenorden?
Jesus hat von sich gesagt, dass es „seine Speise“ sei, dem Willen seines himmlischen Vaters zu gehorchen. Dies Hin-Hören auf Gott ist daher für jeden Christen zentral. Für Jesuiten wird dies aber konkret in ihrer Sendung und in ihrem Zusammenleben. Dabei ist immer vorausgesetzt, dass Superioren und ihnen anvertraute Jesuiten offen miteinander sprechen und verstehen, was dem anderen wichtig ist.
Im Zeitalter von digitaler Kommunikation ist es besonders bedeutsam, dass nicht alles zentral entschieden wird. Bevor sich ein Jesuit an den Provinzial wendet, soll er seine Frage mit den Jesuiten vor Ort besprechen. Dort wird die „geistliche Unterscheidung“ eingeübt, die Voraussetzung für gute Entscheidungen ist. Superioren leisten dabei einen wichtigen Beitrag, um Einheit und Ordnung in der Gemeinschaft zu gewährleisten, die Sendung des Ordens effektiv umzusetzen und das geistliche Leben zu fördern. Die Struktur im Orden folgt dem ignatianischen Prinzip der Sendung in Gemeinschaft mit klaren Verantwortlichkeiten.
Welche Aufgaben hat ein Superior?
Über den konkreten Einzelaufgaben eines Superiors steht ein großes Ziel, zu dem er beitragen soll: die ihm anvertrauten Mitbrüder zu mehr Verantwortung und Freiheit hinführen. Sie sollen die Ordensregeln „nicht im Geist der Furcht“, sondern „aus einer inneren, persönlichen Überzeugung“ befolgen, wie es Ignatius von Loyola ausdrückt. Dabei soll der Superior väterlich, zugleich aber auch mit Nachdruck für die Einhaltung der Ordensdisziplin sorgen und als gutes Beispiel vorangehen.
Je nachdem, in welchem Kontext ein Jesuit Superior ist, hat er eine Vielzahl an konkreten Aufgaben inne, die mit dieser Führungsrolle zusammenhängen. Grundsätzlich kann man zwischen organisatorischen, repräsentativen und administrativen Aufgaben auf der einen und geistlichen oder begleitenden Aufgaben auf der anderen Seite unterscheiden.
So sind zum Beispiel die Aufgaben eines Provinzials als Superior einer Provinz umfassend:
- Er hate die Aufgabe der Cura Personalis für die Mitbrüder in seiner Provinz, also der Sorge für die Einzelnen. Dazu besucht er etwa jährlich die Kommunitäten und führt persönliche Gespräche mit jedem Jesuiten über dessen Leben und Arbeit. Diese Cura Personalis ist ein zentrales Element seiner Aufgabe und dient der spirituellen Formung. Bei Jesuiten in der Ausbildung oder im Alter wird er dabei von Jesuiten als seinen Delegaten unterstützt.
- Leitung und Verwaltung: Er trägt die Gesamtverantwortung für die Provinz, d.h. für die strategischen Entscheidungen zur apostolischen Ausrichtung, die Ernennung und Leitungen für die Kommunitäten und Werke der Provinz. Für die einzelnen Werke unterstützen ihn Delegaten für Bereiche wie Schulen und Bildung, Jugend und Berufungspastoral, Soziales und Spiritualität. Aktuelle Informationen zu den Delegaten gibt es hier
- Vertretung nach außen: Der Provinzial repräsentiert die Provinz gegenüber anderen Teilen des Ordens, der Kirche und der Öffentlichkeit. Er ist Ansprechpartner für überregionale und internationale Kooperationen.
- Spirituelle Leitung der Provinz: Er fördert die geistliche Entwicklung der Mitglieder und sorgt für die Umsetzung der Universalen Apostolischen Präferenzen. Weitere Informationen zu den Präferenzen des Ordens gibt es hier
- Zusammenarbeit mit dem Socius und Provinzökonom: Der Socius ist „Hand und Gedächtnis“ des Provinzials und unterstützt ihn operativ. Der Provinzökonom ist für Finanzen und Verwaltung zuständig; die letzte Entscheidung liegt jedoch immer beim Provinzial.
Für einen lokalen Superior heißt das:
- Organisatorische, repräsentative und administrative Aufgaben: Er trägt dafür Sorge, dass die Jesuiten der ihm anvertrauten Gemeinschaft gut miteinander über die Fragen sprechen, die alle betreffen. Dabei koordinieren Superioren z.B. die dafür notwendigen Aufträge, Dienste und Zeitpläne. Als Superior steht der Jesuit – wenn es nicht um ein Werk geht, also eine lokale Einrichtung wie eine Schule oder Pfarrei – nach außen hin als erster Ansprechpartner zur Verfügung. Superioren sind dafür zuständig, dass in dem Bereich, für den sie Verantwortung tragen, die Ordensregeln umgesetzt und eingehalten werden. Insbesondere sollte er es ermöglichen, dass sowohl die Gemeinschaft als auch die Einzelnen zusammen mit ihm darüber reflektieren, wie sie das Gelübde der Armut konkret leben.
- Geistliche und begleitende Aufgaben: Ein Superior sorgt für das spirituelle Leben der Gemeinschaft, fördert das Gebet, die Exerzitien und die ignatianische Unterscheidung. Er führt mit seinen Mitbrüdern Gespräche, unterstützt bei persönlichen und beruflichen Entscheidungen und achtet auf das Wohl jedes Einzelnen (→ Cura Personalis).
Sind Jesuiten ihrem Superior zum Gehorsam verpflichtet?
Die Jesuiten sind ihrem Superior in jeweils abgestufter Weise zu Gehorsam verpflichtet: dem lokalen in den Fragen des Zusammenlebens, dem Provinzial in Bezug auf sein Ordensleben und seine Sendung als Jesuit insgesamt, dem Generaloberen grundsätzlich, doch konkret meist nur im Allgemeinen und eher nur abstrakt.
Beim Gelübde des Gehorsams geht es darüber hinaus darum, sich in eine Haltung einzuüben, die nicht den eigenen Willen durchsetzt, sondern „hörend“ bereit ist, sich in Dienst nehmen zu lassen. Das sollten Jesuiten daher in allen Situationen und vor allem gegenüber ihrem Superior leben.
Wie wird man Superior?
Superioren werden mit einer Ausnahme ernannt, nicht gewählt. Die Ernennung des lokalen Superiors erfolgt durch den Provinzial, die des Provinzials durch den Generaloberen. Nur der Generalobere wird von Delegierten gewählt, die ihrerseits in den Provinzen gewählt worden sind.
Dabei sollen Kriterien wie die folgenden eine Rolle spielen: geistliche Reife und Unterscheidungsfähigkeit, Erfahrung in Gemeinschaftsleitung, Fähigkeit zur Kommunikation und Konfliktlösung, Loyalität gegenüber der Sendung des Ordens.
Wie lange ist man Superior?
Die Dauer variiert: Ein Hausoberer ist meist sechs Jahre im Amt, unter Umständen aber auch länger. Beim Provinzial bleibt es in der Regel bei sechs Jahren, die nicht verlängert werden. Der Generalobere wird zwar „auf Lebenszeit“ gewählt – seit dem letzten Jahrhundert ist es aber üblich, dass er um Entlastung bittet, wenn er spürt, dass seine Kräfte für das Amt nicht mehr ausreichen. Wenn seine definierten Berater (→ Konsultoren) seiner Einschätzung zustimmen, wird eine Generalkongregation mit Delegierten aus aller Welt einberufen, die seinen Rücktritt annehmen muss und dann einen neuen „Allgemeinen Oberen“ wählt.