Tertiat
Was ist das Tertiat?
Das Tertiat ist die letzte, knapp einjährige Ausbildungszeit, in der sich ein Jesuit – nach Abschluss aller Studien und Praktika – auf seine Letzten Gelübde und damit auf die endgültige Eingliederung in die Gesellschaft Jesu vorbereitet. Nach dem Noviziat mit der vorangehenden Kandidatur ist es die „Dritte Prüfungszeit“ – daher der Name. Es schließt meist einige Jahre nach der Priesterweihe die Ausbildung ab.
Was macht ein Jesuit im Tertiat?
Im Tertiat lässt sich ein Jesuit zum zweiten Mal in seinem Leben Zeit auf die dreißigtägigen Exerzitien nach Ignatius von Loyola ein. Dazu kommt eine Vertiefung der Spiritualität, der Satzungen und der Vorgehensweise des Ordens. Dies geschieht im intensiven Austausch in einer Gruppe auf dem Hintergrund der bis jetzt gemachten persönlichen Erfahrungen als Christ und Jesuit, als Priester oder Bruder. Ein etwa dreimonatiges Praktikum oder eine zweimonatige Zeit in besonderen Seelsorgefeldern (wie der Arbeit mit Kindern mit Behinderung, mit Obdachlosen oder mit Sterbenden) ist dabei eine Art Test für die Stimmigkeit des Ganzen. Wie im Noviziat ist dies in der Sprache des Ordens ein „Experiment“, um sich und die eigene Gottesbeziehung in einer besonderen Lebenssituation besser sehen und verstehen zu können.
Welche Bedeutung hat das Tertiat im spirituellen Weg eines Jesuiten?
In den Satzungen Nr. 516 hat Ignatius von Loyola geschrieben, dass das Tertiat den jungen Jesuiten dazu dient, sich „nach Beendigung des Eifers und der Sorge für die Ausbildung des Verstandes, der Schule des Strebens zu widmen und sich in geistlichen und leiblichen Dingen zu üben, die einem mehr Demut und Verleugnung aller sinnlichen Liebe und allen eigenen Willens und Urteils und mehr Erkenntnis und Liebe Gottes unseres Herrn verursachen können, damit sie, nachdem sie für sich selbst Fortschritte gemacht haben, besser andere zu Verherrlichung Gottes unseres Herrn fördern können.“
Das Tertiat bietet den Jesuiten die Möglichkeit, ihre ursprüngliche Berufung zu erneuern und zu vertiefen. Dies geschieht durch intensive spirituelle Übungen und Reflexionen. Dabei sind die dreißigtägigen Exerzitien nach Ignatius von Loyola ein wichtiges Element. Diese Zeit des intensiven Gebets und der Meditation hilft, die Beziehung zu Gott zu vertiefen. Im Tertiat studieren Jesuiten auch die grundlegenden Dokumente und die Geschichte des Ordens erneut mit besonderem Blick auf die ignatianische Spiritualität und Theologie.
Was steht am Ende des Tertiats?
Kurze Zeit nach dem Tertiat binden sich in den Letzten Gelübden (Profess) der Jesuit und der Orden gegenseitig im Versprechen von Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam aneinander. Gegebenenfalls wird auch Gehorsam gegenüber den Sendungen des Papstes versprochen.