Hier einfach die Hand an die Mütze zu legen und sich demutsvoll in sein Schicksal zu ergeben, hilft dem Provinzial genauso wenig wie emphatische Rebellion: „Ich? Niemals! Kommt gar nicht in die Tüte!“ Vielmehr gilt es, flexibel zu sein für die Bedürfnisse des Ordens, der bestimmte Stellen einfach mit jemandem besetzen muss, egal ob die Mitbrüder dazu Lust haben oder nicht. Schüler oder Studierende an Jesuiten(hoch-)schulen müssen wissen, dass sie an dieser Einrichtung auch einen Abschluss machen können. Wer meldet schon sein Kind an einer Schule an, die beim Zwischenzeugnis verkündet: „Wir müssen jetzt leider mit der Schule aufhören, weil wir derzeit keinen Mitbruder haben, der Bock hat, den Job auszufüllen …“? Manchmal sind da regelrechte Himmelfahrtskommandos dabei: Wer hatte in den 2010er Jahren, auf dem Höhepunkt der Missbrauchskrise, schon Lust, Feuerwehrmann (Kollegsdirektor) an einer der drei Jesuitenschulen zu spielen? Bei meiner eigenen letzten Destination war es folgendermaßen: Ich wurde wie üblich gefragt, was ich mir vorstellen könnte, was „dran“ wäre, und sagte daraufhin selbstbewusst: „Ich würde gerne in die säkularste, gottloseste Stadt Deutschlands mit den wenigsten Christen!“ By the Way: Man geht ja nicht völlig unvorbereitet in solche Destinationsgespräche und so hatte ich beim Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung in Greifswald schon im Vorfeld ermitteln lassen, was das säkularste Pflaster Deutschlands sei. Deren Antwort: Magdeburg! 10% Christen (damals! 2016!), davon 7% evangelische, 3% katholische Christen! 90% säkular beziehungsweise „gar nüscht“. Leider haben wir Jesuiten in Magdeburg aber keine Kommunität. Beim entscheidenden Gespräch eröffnete mir der Provinzial wohl deshalb überraschend: „Magdeburg liegt am Lietzensee, mitten in Charlottenburg!“ Mit den Geografiekenntnissen scheint es bei unseren Provinziälen nicht weit her zu sein … Und so lebe und arbeite ich seit sieben Jahren in Berlin, wo freilich die Zahlen kaum günstiger sind als in Magdeburg. Was sollte ich machen? Schmachten und von einem mit Feenstaub verklärten Magdeburg träumen? Oder Hand an die Pickelhaube und ab nach Berlin, links, zwo, drei, vier …? Der Mensch denkt, Gott lenkt. In meinem Fall als Jesuit kommt noch der Provinzial dazu. Der hat es nicht leicht, im immer kleiner werdenden Pool von verfügbaren Mitbrüdern jemanden zu finden, der einspringt, wenn irgendwo Not am Mann ist. Aber auch für den Jesuiten im Glied gilt: Nicht jede Destination kann im Konsens erfolgen. Manchmal muss man von eigenen Träumen Abstriche machen oder wird aus einer Arbeit, in der man eigentlich glücklich ist, abrupt herausgerissen. Ich muss an Jesu Gebet im Garten Getsemane (Lk 22,42f.) denken: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen!“ Da ist beides drin: Ein klarer Wunsch: Ich will das (Verurteilung, Geißelung, Kreuz, Tod …) nicht!!! Jesus bittet flehentlich, beschwört den Vater regelrecht. Und gleichzeitig: Wenn es so kommen sollte und kommen muss: Ich bin bereit! Ich möchte aber hinzufügen – ganz so dramatisch wie bei IHM kommt es bei einem selbst dann doch nicht, oder? P. Manfred („Josy“) Hösl SJ hat Theologie, Soziologie und Pädagogik studiert. Er war Schulseelsorger im Kolleg St. Blasien und Pfarrer in Göttingen. Seit 2017 ist er Pfarrer von St. Canisius in Berlin-Charlottenburg. Manchmal muss man von eigenen Träumen Abstriche machen. Foto links: © c-foto/AdobeStock 11 SCHWERPUNKT
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