Freiheit finden in 40 Tagen Warum Fasten mehr ist als Verzicht und Aufhören, sondern sogar ein Gewinn sein kann – getreu dem Motto „Weniger Ballast, mehr Leben“. „Und was sollen wir tun?“, fragten die Menschen Johannes den Täufer. Seine Antwort im Lukasevangelium (Lk 3,10–11) lautet: „Wenn ihr zwei Mäntel habt, gebt einen den Armen. Wenn ihr zu essen habt, teilt es mit denen, die hungrig sind.“ Diese schlichten Worte bringen auf den Punkt, worum es beim Fasten wirklich geht: Loslassen, teilen – und dadurch Freiheit gewinnen. Fasten ist genau das: eine bewusste Entscheidung, aus dem goldenen, aber beengenden Käfig auszubrechen, den wir uns selbst mit Zeit und Mühe geschaffen haben. Es ist die Einladung, diesen Käfig zu verlassen und wie ein freier Adler zu fliegen, statt als kleiner Kanarienvogel in scheinbarer Sicherheit zu verharren. Das bewusste Aufhören ist kein Ende, sondern ein Anfang. Der Verzicht, den das Fasten mit sich bringt, ist keine Einschränkung, sondern ein Gewinn an Freiheit – von sich selbst, von belastenden Bindungen und von unnötigem Ballast. Es ist die Gelegenheit, Überflüssiges loszulassen und Platz für das Wesentliche zu schaffen. Fasten ist eine sinnstiftende Dynamik des Daseins. Was hält mich gefangen? Was kann ich loslassen, damit ich Raum für Neues habe? Der bewusste Entschluss, für 40 Tage auf etwas zu verzichten, bringt oft mehr Leichtigkeit ins Leben, als man erwartet. Es geht darum, sich von unnötigen Lasten zu verabschieden – seien es materielle Dinge, hinderliche Gewohnheiten oder blockierende Gedankenmuster. Teilen als Weg zur Freiheit Johannes der Täufer erinnert uns daran, dass das Aufhören nicht nur uns selbst betrifft, sondern auch die Menschen um uns herum. „Wenn ihr zwei Mäntel habt, gebt einen den Armen.“ Fasten bedeutet nicht nur, loszulassen, sondern auch, zu teilen. Es ist ein Akt der Befreiung – nicht nur von Dingen, sondern auch von der fixen Idee, immer mehr besitzen zu müssen. Dieses Teilen eröffnet eine neue Perspektive auf das Leben. Es zeigt, dass wahrer Reichtum nicht im Horten liegt, sondern im Geben und im Miteinander. Der goldene Käfig, den wir uns gebaut haben, kann sich schwer und einengend anfühlen. Doch Fasten gibt uns die Möglichkeit, die Türen dieses Käfigs bewusst zu öffnen und das zu entdecken, was uns in der Tiefe erfüllt. Natürlich ist es nicht immer leicht, den Käfig zu verlassen. Seine vermeintliche Sicherheit übt eine große Anziehungskraft aus. Doch der Schritt ins Freie eröffnet ungeahnte Möglichkeiten: die Freiheit, Beziehungen bewusster zu gestalten, die Umwelt achtsamer wahrzunehmen und das eigene Leben mit weniger Ballast zu führen. Nachhaltig frei bleiben Das wahre Geschenk des Fastens liegt in der Chance, nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Fasten ist ein mutiger Schritt hinaus in die Freiheit. Es zeigt, dass Verzicht nicht Verlust bedeutet, sondern Gewinn – an Leichtigkeit, innerem Frieden und neuer Lebendigkeit. Ich habe mich z.B. vom Kaffeekonsum befreit – und es war eine befreiende Erfahrung! Von welcher Gewohnheit oder Sucht möchtest du dich befreien? Valerio Ciriello ist Fastenleiter und Hochschulseelsorger in Zürich. Er zeigt, wie Verzicht uns aus Käfigen befreit und neue Freiheit schenkt. Foto: © gremlin/iStock.com 19 SCHWERPUNKT
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