Jesuiten 2025-1 (Österreich-Ausgabe)

später die KSJ wurde, die es an vielen Orten in Deutschland gab und gibt – mit und ohne Jesuiten. Den alten Herrn, der mir auch berichtet, sein älterer Bruder sei später als Jesuit auch lange Zeit in Sankt Georgen tätig gewesen, treffe ich beim Abschied der Jesuiten aus der KSJ Hamburg am 14. September 2024. Ein emotionaler, schwerer und schöner Tag: Aufhören nach fast 80 Jahren jesuitischer Präsenz und Prägung an diesem Ort. Am Ende einer langen Reihe von Jesuiten derjenige zu sein, mit dem es aufhört, ist nicht einfach. Und diese kurze, sehr herzliche Begegnung zeigt, dass es mich übersteigt: In dieser Rolle als „letzter Jesuit“ werde ich konfrontiert einerseits mit Dankbarkeit und Wertschätzung für kluge Worte, offene Herzen und tatkräftige Hilfe sowie andererseits Wut und Ärger über Fehlverhalten, Unfähigkeit und fehlende Empathie anderer Jesuiten. Und mit Enttäuschung über eine Entscheidung, die auch uns Jesuiten schwerfällt und deutlich macht: Wir werden weniger. Daraus erwächst die Verantwortung, mit den Menschen, die mit uns unterwegs sind, zu schauen, wie die Arbeit unter diesen Bedingungen gut weitergehen kann – für die KSJ und für uns als Orden. Im Aufhören steckt die Chance, neu zu hören, wohin wir mit reduzierten Kräften gerufen sind. In den Tagen und Wochen vor dem Abschied habe ich mit vielen Menschen gesprochen. Oft ging es darum, wie sehr die Jesuiten hier die Jugendarbeit und auch die Schule geprägt haben. Es ist merkwürdig für diese lange Geschichte, für diese Prägung zu stehen, wenn man doch selbst nur einen ganz kleinen Teil dazu beigetragen hat. Es ist unangenehm, auch für ihr Ende zu stehen. Was mir in diesen Gesprächen, die auch von Trauer, Wehmut und Überhöhung geprägt sein konnten, wichtig war: Nicht nur wir Jesuiten haben einen Ort und die Menschen an diesem Ort geprägt, sondern wir Jesuiten sind hier geprägt worden. Vieles haben wir hier gelernt und erfahren, das uns prägt und begleitet. Aufhören bedeutet nicht nur, eine Lücke zu hinterlassen, sondern dass auch im Orden eine Lücke entsteht. Aufhören ist persönlich und institutionell. Es ist schmerzhaft für beide Seiten, aber auch nach dem Aufhören bleibt Verbundenheit durch Beziehungen und eine gemeinsame Geschichte. Und es bleibt die Bewunderung darüber, mit welcher Haltung die Jugendlichen diese Veränderung, die mit dem Aufhören zwangsläufig zusammen geht, annehmen. Das stimmt mich zuversichtlich. P. Dag Heinrichowski SJ lebt in Frankfurt und promoviert an der Universität Münster in Pastoraltheologie. Parallel dazu ist er Spiritual am Priesterseminar Sankt Georgen und Koordinator des Weltweiten Gebetsnetzwerkes des Papstes in Deutschland. Nicht nur wir Jesuiten haben einen Ort geprägt, sondern wir Jesuiten sind hier geprägt worden. Hintergrund Die Leitung der Sankt-Ansgar-Schule, ein katholisches Gymnasium in Trägerschaft des Erzbistums Hamburg, war seit der Gründung 1946 den Jesuiten anvertraut. 1993 zogen sich die Patres aus der Schule zurück; auch die Kommunität auf dem Schulgelände wurde geschlossen. Bis 2024 blieben ein bis zwei Jesuiten in der außerschulischen Jugendarbeit präsent. Die KSJ Hamburg ist auch an der SophieBarat-Schule aktiv. 21 SCHWERPUNKT

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