Jesuiten 2025-1 (Österreich-Ausgabe)

Nachrichten aus der Provinz Alfred Delp SJ: Widerstand aus dem Glauben – ein Vermächtnis für heute Anlässlich seines 80. Todestages im Februar ist in mehreren Städten des Jesuiten Alfred Delp gedacht worden. Delp engagierte sich im Kreisauer Kreis, einer Widerstandsgruppe, die Pläne für ein demokratisches Deutschland nach Hitler entwarf. 1944 wurde er verhaftet und vom berüchtigten Richter Roland Freisler zum „Tod durch den Strang“ verurteilt – vollstreckt am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee. Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, erinnerte in der Jesuitenkirche St. Michael daran, wie zerbrechlich unsere Kultur und Zivilisation sind – damals wie heute. Ihre Bedrohung erwachse aus der Gleichgültigkeit der Menschen und dem Erstarken der extremen Rechten mit ihrer brutalen, vulgären Sprache, die den anderen niedermachen wolle. Kurzfristig führe dies vielleicht zu einem Gefühl des Triumphes, langfristig aber zu neuen Gegensätzen und Kriegen. Nachhaltig sei nur der Dialog auf Augenhöhe „und die Erkenntnis, dass alle Menschen Brüder und Schwestern sind“, sagte Kardinal Marx. „Das ist unser Glaubensbekenntnis.“ In diesem Sinne würde uns Alfred Delp heute sagen: Macht euch auf den Weg! Seid Zeuginnen und Zeugen der wirklichen Freiheit, einer verantwortlichen Freiheit. „Und die Geburtsstunde der menschlichen Freiheit ist die Begegnung mit Gott.“ Bei einer Gedenkveranstaltung mit Gästen aus Politik und Gesellschaft in der Hochschule für Philosophie in München hielt Prof. Dr. Stephan Harbarth den Festvortrag. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts würdigte das Leben Delps und seine Bedeutung für Demokratie und Menschenrechte. Harbarth zitierte aus dem letzten Brief des Jesuiten vom Januar 1945: „Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben dürfen, weil wir gestorben sind.“ Foto: Walter Glück, Fotos rechts: Robert Haas/SJ-Bild Das Archiv der Jesuiten gibt bewegende Einblicke in Original-Dokumente von Alfred Delp SJ: 26

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