wenn es um das Reich Gottes und das Glück geht, dann schreibt uns Ignatius von Loyola ins Stammbuch, dass wir von den Gegensätzen Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut, Ehre und Schmach, langes und kurzes Leben je keines mehr erstreben sollen als das andere. Der engagierte Christ soll für beide Optionen offen sein. Selbst wenn es den eigenen Vorlieben widerspricht, soll der Verlust von Gesundheit, finanziellen Mitteln oder gesellschaftlichem Ansehen nicht geringer bewertet werden als die Möglichkeiten, die diese Dinge bieten. Irgendwie paradox, das Aufhören des Engagements so hoch zu werten, wenn uns doch der Einsatz für die Menschen, das Gute und die Schöpfung so wichtig ist. Wir Jesuiten üben das Aufhören durch die Gelübde: Der teilweise Verzicht auf Privatbesitz lässt uns manchmal eine Freiheit spüren. Dass eine Familie mit Kindern nicht von uns abhängig ist, macht hoffentlich manche von uns offener gegenüber der Option, Gewohntes loszulassen und im klaren Licht der Liebe Gottes zu leben. Die Meditation des Leidens Jesu in der Karwoche macht viele Menschen offener, ihre Leiden und ihre Not nicht als unsinnig, sondern als „in Freundschaft mitgegangen“ zu verstehen. Und doch hat das Aufhören keinen guten Ruf. Zumindest schauen wir für gewöhnlich nicht so lange und intensiv darauf wie auf einen Neubeginn oder ein Weitermachen. Einen genauen Blick auf das Phänomen des Aufhörens haben wir uns für dieses Heft vorgenommen. Wir laden Sie ein, zusammen mit unseren Autorinnen und Autoren das freiwillige und unfreiwillige Aufhören zu reflektieren. Es liegt viel Segen im intensiven Engagement, aber auch in der Intensität des Aufhörens. Wer wagt es, den großen und kleinen Momenten des Aufhörens, sogar dem eigenen Sterben, ins Auge zu blicken? Jedes Aufhören im Leben, jeder schmerzhafte Abschied, jeder eintretende Mangel und jedes Vollenden kann uns plötzlich einleuchten als ein mit Liebe konzipierter Teil des Großen und Ganzen, was Jesus das Reich Gottes nannte und zu dem er die Tür öffnen wollte. Wie werden Sie mit dem Lesen des einen oder anderen Textes in diesem Magazin aufhören? Wenn es manchmal ein „Ah“ oder vielleicht ein Seufzer ist und Sie dies aufmerksam registrieren, dann sind Sie mitten in der Dynamik dieses Heftes angekommen! Liebe Leserin, lieber Leser, Konrad Glosemeyer SJ, Br. Matthias Rugel SJ, P. Mathias Werfeli SJ Porträtfoto: © SJ-Bild Eine gute Fastenzeit wünschen Ihnen EDITORIAL 1
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