„Wer sind wir?“ Wie die Generation zur Bauzeit der Kirche, so muss sich auch heute der Jesuitenorden fragen: „Wer sind wir?“ Und damals wie heute müssen wir unserem Selbstverständnis Ausdruck verleihen. „Als Mitarbeiter gesandt, um alles in Christus zu versöhnen“, lautet die Antwort des Ordens darauf in einem vom Ordensgeneral am 31. Juli 2023 veröffentlichten Dokument. Dort heißt es: „Das Nachdenken des weltweiten Leibes der Gesellschaft Jesu über seine Identität hat eine weitere charakteristische Dimension ans Licht gebracht: die Zusammenarbeit. […] Das Verständnis und die Erfahrung der Zusammenarbeit zu vertiefen, die wir bereits leben, und uns als Jesuiten als Mitarbeiter zu identifizieren, ist die Umkehr, zu der wir in dieser Zeit aufgerufen sind. Es ist ein Weg, der uns dazu führt, unsere Rolle innerhalb der synodalen Kirche in der Sendung zu finden. Die Zusammenarbeit ist eine Dimension unserer Identität. Wir sind Mitarbeitende, statt Mitarbeitende zu ‚haben‘. […] Wir haben noch einen langen Weg vor uns, um die Zusammenarbeit zu einer charakteristischen Dimension unserer Identität und unserer Weise des Vorangehens im Dienst der Sendung Christi zu machen.“ Es mag ein Zufall gewesen sein, dass die Veröffentlichung dieses Dokuments und die Aufhebung der Kommunität in Linz am gleichen Tag erfolgten. Letztlich aber kann uns dieser „Zufall“ dabei helfen, auch einen Schlusspunkt als Ausgangspunkt zu begreifen. So war die Konsequenz der Aufhebung nicht der Rückzug der Jesuiten aus Linz. Zwei apostolische Tätigkeiten führt der Orden seither in neuer Weise fort: die Mitarbeit in der Schulseelsorge im Kollegium Aloisianum (wahrgenommen durch P. Hans Brandl SJ von Wien aus) und die Priesterseelsorge in der Diözese Linz (durch P. Klaus Schweiggl SJ, der auch in Linz lebt). Beide Dienste verweisen auf ein Kontinuum in der Geschichte der Jesuiten in dieser Stadt: die Sorge um die Jugend und die Geistliche Begleitung. AUS DER REGION „Den Seelen helfen“ Im Gründungsdokument des Jesuitenordens wird „jedweder Dienst am Wort Gottes“ als eines der Ziele des Ordens genannt. In einem Brief an die Mitbrüder erläutert P. Jeronimo Nadal, der nach Ignatius der beste Interpret der Konstitutionen war, diesen Dienst am Wort Gottes wie folgt: „An erster Stelle nenne ich das private geistliche Gespräch, das eine ganz hervorragende Hilfe zur Förderung des Nächsten bedeutet.“ Nichts anderes möchte Priesterseelsorge sein: „Hilfe“ und „Förderung“. Sie möchte „Lebensaufmerksamkeit“ fördern, Vertrauen stärken, oft auch „Trösteramt“ sein auf dem Weg der Berufung und Sendung. Nicht zuletzt aber ist sie geistliches Mitwirken an der vielfältigen Sorge einer Diözese um „Sorgende“, hier um ihre Priester. Anfang und Ende In einer Predigt aus dem Jahr 1957 (zum Text Galater 4,22–31), ermutigt P. Karl Rahner SJ zu vertrauen: „Und manches von dem Früheren kann auch uns gleichsam Typus und Allegorie sein für das, was jetzt ist und was noch kommen wird. Paulus hat einmal seinen Christen gesagt: ‚Ich vertraue darauf, dass der, der bei euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird.‘ Das ist das Axiom der inneren Spieleinheit des Handelns Gottes mit uns. [...] Und wenn alles zu Ende ist, wird sich alles zusammen gefügt haben zu der einen, großen, heiligen, liebenden Idee Gottes, die er mit uns und unserem Leben hatte, da er uns beim Namen rief.“ P. Klaus Schweiggl SJ geb. 1950, Eintritt in den Jesuitenorden 1973. Seit 2021 ist er Priesterseelsorger in der Diözese Linz, Exerzitienbegleiter und Geistlicher Begleiter mit der Zielgruppe Seelsorgende, Ordenschristinnen und -christen. Fotos: privat 35
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