Jesuiten 2025-1 (Österreich-Ausgabe)

Zukunft gestalten Leben mit Blick auf die Zukunft ist bestimmt von der Spannung zwischen der Erwartung dessen, was aufgrund bisheriger Erfahrung – wahrscheinlich – sein wird, und der Offenheit für das, was – möglicherweise anders als erwartet – auf uns zukommt. Das gilt auch für Ordensgemeinschaften. Die gegenwärtige Situation vieler Ordensgemeinschaften stellt eine besondere Herausforderung dar: Rückgang der Mitglieder insgesamt bei zunehmendem Alter, abnehmende Zahl von Eintritten, immer weniger einsetzbare Ordensobere bei gleichzeitig steigenden Anforderungen an Professionalität im beruflichen Bereich. Deshalb gilt es, in einer personell, ökonomisch und rechtlichen Standortbestimmung die Ausgangslage für Veränderungen zu bestimmen und eine zeitliche und begleitende Vorgangsweise zu entwickeln. Klare Richtungsentscheidungen Im Blick auf das Ziel der Gemeinschaft (Charisma, Auftrag) gilt es, in einem Unterscheidungsprozess zwischen verschiedenen möglichen Wegen jenen zu wählen, der sich im Abwägen von Chancen und Problemen auf die Zukunft hin als der bessere zeigt. • Die Entscheidung zum Behalten: Unter geänderten Bedingungen erfordert auch das Behalten entsprechende Bemühungen wie Redimensionierung und Umstrukturierungen von Werken. • Die Entscheidung zur Übergabe: Ein Werk zu übergeben, bedarf einer soliden Vorbereitung. Dazu gehören die Auswahl und Vorbereitung derer, denen das Werk anvertraut wird, wie die Schaffung unterstützender Strukturen. Übergeben meint anvertrauen, nicht aufgeben – und will mit Wohlwollen begleitet werden. • Die Entscheidung für Neues: Mit jeder Veränderung entsteht Neues – und dies bedarf einer klaren Entscheidung. Ohne Abwertung des Bisherigen oder des Neuen: Es wird anders sein! Schrittweises Vorangehen Mit der Entscheidung für Neues beginnt ein Weg, der Schritt für Schritt und mit Entschiedenheit gegangen werden will. • Zeichen setzen: Nie wird von heute auf morgen alles anders – und doch hat die Zukunft schon begonnen. Hilfreich ist die Frage: Woran zeigt es sich, dass wir bereits unterwegs sind? • Flexible Lösungen suchen: Angesichts der Ungewissheit der Zukunft bedarf es flexibler Lösungen, die ein Eingehen auf Unerwartetes oder notwendige Korrekturen zulassen. • Erfahrungen auswerten: Unerlässlich ist es deshalb, sich über das Vorangehen – dankbar und selbstkritisch – Rechenschaft zu geben. Durch regelmäßige Reflexion und Auswertung der Erfahrungen wird – wenn erforderlich – auch eine Kurskorrektur möglich. P. Alois Riedlsperger SJ arbeitete in der politisch-sozialen Bildungsarbeit in Wien und begleitet weiter die Organisationsentwicklung von Ordensgemeinschaften. 4 SCHWERPUNKT

RkJQdWJsaXNoZXIy MjIwOTIwOQ==