Nein, ich will nicht aufhören! Warum fällt es Kindern (aber auch Erwachsenen) so schwer, mit etwas Schönem aufzuhören? Hat es damit zu tun, dass sie das Schöne im Hier und Jetzt unbeschwert genießen können, ohne gleich an die nächste, unangenehme Aufgabe zu denken? „Nein, ich will weiterspielen. Ich will nicht aufhören.“ Diesen Satz lernen alle Eltern so oder so ähnlich irgendwann kennen. Vor allem kleineren Kindern fällt es oft schwer, ein Spiel zu beenden. Es kann dann einiges an Geduld und Einfühlungsvermögen kosten, bis man es gemeinsam geschafft hat mit dem Aufhören. Vielleicht erklären wir uns selbst und versuchen, die Zustimmung unserer Kinder zum geplanten Vorgehen zu erreichen. Vielleicht hoffen wir darauf, dass die Kleinen ebenfalls Verständnis für uns Große zeigen. Letzteres bleibt jedoch regelmäßig aus. Der Konflikt um das Aufhören kommt allerdings im Familienleben auch in anderen Varianten vor. Wenn wir gemeinsam zu Hause sind – fünf Personen im Alter von 3 bis 33 – dann ist es so: Wir bitten uns im Grunde ständig und abwechselnd gegenseitig um irgendetwas. Das hat meist die Folge, dass mindestens eine Person unterbrochen wird bei dem, was sie gerade tut. Diese Person muss dann mit etwas aufhören. Selbst, wenn das nur bedeutet, die aktuellen Gedanken einmal zur Seite zu schieben: Es fällt schwer. Das gilt jetzt aber nicht nur für die Kinder. Im Gegenteil! Wenn wir an solche Momente denken, müssen wir zugeben, dass das Problem mit dem Aufhören wohl auch uns als Eltern betrifft. Wenn wir gerade etwas Schönes tun, dann wollen wir ebenfalls nicht, dass es zu Ende geht, wie zum Beispiel ein lang ersehnter Urlaub oder ein gutes Buch. Und wenn wir mit etwas weniger Schönem beschäftigt sind, wollen wir es gerne zum Abschluss bringen. Würden wir mitten in der Sache unterbrechen, so müssten wir es schließlich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal neu angehen (Stichwort „mental load“). Nehmen wir diese letzte Beobachtung noch einmal zum Anlass für eine Wendung zurück zu den Kindern. Was die Kleinen nämlich besonders gut können, ist, nervige und unliebsame Aktivitäten bei jeder sich bietenden Möglichkeit zu unterbrechen. Fertig aufräumen? Eher nicht. Ordentlich Zähne putzen? Das darf auch schnell gehen. Den Eltern geduldig zuhören, wenn etwas erklärt wird? Selten. Kinder wenden sich noch frei und ungeniert den Dingen zu, die ihnen Freude bereiten. Und wenn sie darin begrenzt werden, dann trauern sie genauso ehrlich und offen über die verloren gegangene Freude. Vielleicht täte es auch uns Erwachsenen (egal ob mit oder ohne Kinder) gut, öfter einmal so zu handeln. Das, was uns stresst und nervt, einfach mal beiseiteschieben. Tun, was uns Freude bereitet. Und traurig sein, wenn es zu Ende geht. Esther Jünger und Vincent Jünger haben Theologie in Sankt Georgen (Frankfurt a. M.) studiert und sind Eltern von drei Töchtern im Alter von acht, sechs und drei Jahren. Bild: © travelview/iStock.com Tun, was uns Freude bereitet. 7 SCHWERPUNKT
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