Bilder der Wunder des heiligen Ignatius Ignatius von Loyola wurde früher oft als Wundertäter dargestellt. Heute erscheinen diese Bilder möglicherweise etwas entlegen, andere Ignatius-Bilder sind geläufiger geworden. P. Manfred Grimm SJ über das Wunder der Heiligkeit im Bild. Die großen Ordensgründer, unter ihnen Ignatius von Loyola, sind in der bildenden Kunst oft als Wundertäter dargestellt worden. Wunder fungieren als Belege für die Heiligkeit des Gründers und damit für die göttliche Anerkennung der Gemeinschaft, die auf ihn zurückgeht. Die erste große Ignatius-Vita von Pedro de Ribadeneira SJ enthält nach etlichen Abschnitten über das Leben und die besonderen Tugenden des Heiligen auch ein Kapitel, in dem die Wundertaten des Gründers der Gesellschaft Jesu aufgelistet werden. Peter Paul Rubens malte um 1617 für die Jesuitenkirche in Antwerpen die Wunder des Heiligen Ignatius als Altarbild (heute im Kunsthistorischen Museum Wien). Eine Gruppe von sichtbar leidenden Personen steht darin dem Heiligen gegenüber, der sie mit zum Himmel erhobenem Blick segnet. Böse Geister entfahren mit Qualm und Feuer dramatisch den gewundenen Körpern. Auch in der kleinformatigen Druckgrafik begegnet uns Ignatius als Wundertäter; beispielsweise in einer Serie, die Hieronymus Wierix Anfang des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden produziert hat. Auf einem der Bildchen (s. Abb.) wird Ignatius gezeigt, wie er einen Fallsüchtigen durch Handauflegung heilt. Eine Gruppe von Angehörigen des Kranken steht um diesen herum, Ignatius neigt sich zu ihm. Im Unterschied zu Rubens wird hier nichts gezeigt, was sich nicht außerhalb eines Bildes ereignen könnte. Andere Kupferstiche der Reihe zeigen Dämonenaustreibungen und die Rettung von Suizidalen – all dies als getreue Illustration von Ribadeneiras Bericht und in naturalistischer Manier, für die das Wunder nur ein weiteres Register des Sichtbaren zu sein scheint. Heute sind diese Darstellungen für unsere Vorstellung von Ignatius wohl nicht mehr bestimmend. Auch die Ignatius-Vita des Ribadeneira spielt keine große Rolle mehr. Die Ausgaben der heute verbreiteteren und prägenderen Autobiographie des Heiligen von Loyola, des Berichts des Pilgers, tragen in der Regel ein schlichtes Porträt des Ignatius auf dem Umschlag. Jetzt ist man, wenn die Bild-Entscheidungen der Herausgeber richtig liegen, weniger am äußerlich-Außergewöhnlichen interessiert, sondern am menschlichen Angesicht, ohne den Dunst des Wunderbaren, der dieses verschatten könnte. Der geistliche Weg, den ein Mensch „wie wir“ gegangen ist, steht im Fokus. Doch auch wenn wir Heiligkeit heute eher als innere Qualität verstehen, bleibt sie etwas nicht weniger Erstaunliches. Für Rubens und Wierix war sie vermutlich ebenso ungewöhnlich wie für uns. Und es könnte sein, dass ihre Bilder genau dieses Erstaunen, jedes auf seine Art, als ein sichtbares Phänomen abbilden. 8 SCHWERPUNKT
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