Jesuiten 2025-4 (Deutschland-Ausgabe)

P. Felix Körner SJ ist Islamwissenschaftler, Systematischer Theologe und Nikolaus-­ Cusanus-Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin. völlig einsichtiges Programm ab. Vieles bleibt unvorhersehbar. Im Nachhinein gelingt es uns oft, auch das zunächst Überraschende wieder mit Formeln zu beschreiben, als wäre alles von „Gesetzen“ geregelt. Aber es gibt nicht einerseits das Regelmäßige und andererseits Gottes Handeln. Es gibt auch nicht einerseits das freie Handeln der Geschöpfe und andererseits das gelegentliche Handeln Gottes. Sondern wir Geschöpfe handeln frei – und Gott ist am Werk. Seine Regierungskunst, Gottes liebevolle Weisheit, wird die Geschichte der Welt an ihr gutes Ende kommen lassen, so sehr wir selbst unterwegs auch andere Ziele verfolgt haben. Und wo bleiben die Wunder? Nicht der Bruch angeblicher Naturgesetze ist das Wunder. Denn so gut kennen wir sie nie, dass wir sagen könnten: „Jetzt wurden sie gebrochen.“ Und sobald die Naturwissenschaft eine neue Regelmäßigkeit findet, ist ja plötzlich kein Wunder mehr, was uns eben noch als Gottesbeweis galt. Ein Wunder ist eine Überraschung, die mich dazu bewegt, Gottes Liebesweisheit anzuerkennen. Das bewegendste Wunder bleibt die Auferstehung Christi. Aber auch bei ihr müssen wir nicht behaupten, sie sei ein Regelbruch. Vielmehr ist sie Gottes Geisthandeln wie jedes andere Ereignis. Nur eröffnet sie uns mehr als alles andere, was uns am Ende der Geschichte erwartet. Und dann, hoffen wir, wird uns auch deutlich sein, welchem „Gesetz“ Ostern gefolgt ist: der Logik von Gottes weiser Treue. Pannenberg durfte das schon ein wenig vorweg-erleben. Das bewegte ihn zur Anerkennung Gottes. In diesem Sinn war sein Widerfahrnis ein Wunder. Natürlich musste ich den Pannenbergs dann auch mein Ausgangserlebnis erzählen. Aber das ist eine andere Geschichte. Portrait © SJ-Bild 17

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