Wunder: Zeichen für das Reich Gottes Wunder haben viele Aspekte und treten in unterschiedlichen Zusammenhängen auf. P. Kundong Kim SJ hat zusammengefasst, was der Zielpunkt von Wundern im christlichen Glauben und Denken ist. Was ist das Wesentliche, worum geht es letztlich bei den Wundern? Sie sind ja nicht der eigentliche Gegenstand des Glaubens, sondern Mittel. Es geht darum, uns dafür zu öffnen, was sie für uns zeigen können. Als Paradigma dienen die Wunder Jesu, aber das Gesagte gilt für alle Wunder, auch die in nachbiblischer Zeit. Die Wunder Jesu sind in der Tat eine Manifestation der Macht Gottes. Allerdings scheint es, dass Jesus ihnen nur eine untergeordnete Bedeutung zuschrieb. In erster Linie weigerte er sich, auf Befehl Wunder zu vollbringen (was der Versucher von ihm verlangte: Mt 4,2–4). Er vertraute auch denen nicht, die ihm wegen seiner Wunder folgten (vgl. Joh 2,23–25). Gleichzeitig weisen die Wunder Jesu besondere Merkmale auf. Im Folgenden möchte ich drei Punkte hervorheben. Erstens sind die meisten seiner Wunder Heilungswunder oder Wunder, die den Bedürfnissen der Menschen entgegenkommen. In seinem Wirken heilte Jesus viele Menschen, die an Geist oder Körper krank waren. Er versorgte auch die Hungrigen mit Nahrung. Seine Worte und Wundertaten dienen nicht seiner eigenen Verherrlichung, sondern denen, die von seinen machtvollen Taten profitierten. Sie entsprangen seinem Mitgefühl für das leidende Volk Gottes (Mk 6,34). Darüber hinaus zielen die Wunder Jesu auf Befreiung ab. Er wollte Menschen von Krankheiten heilen, sowohl von körperlichen als auch seelischen; von Lähmung, Blindheit, Taubheit, Ausgeschlossensein. Er wollte denen Erleichterung schenken, die mit verschiedenen Nöten belastet waren. Der brasilianische Exeget Ivo Storniolo beobachtet, dass im Lukasevangelium 14 von 18 Wundern in Galiläa stattfanden – der Region in Israel, die zu Jesu Zeiten vernachlässigt und verachtet wurde. Daher ist Storniolo der Meinung, dass die Wunder Jesu Teil einer Befreiungsbewegung waren. Beeindruckend ist, dass manche seiner körperlichen Heilungen auch mit der Vergebung von Sünden verbunden werden (vgl. Mk 2,5). Letztendlich sind die Befreiung von Sünde und der Gewinn eines erfüllten, ja eines ewigen Lebens das Herzensanliegen Jesu. Schließlich verlangen die Wunder Jesu eine Antwort aus dem Glauben (vgl. Lk 17,19) und die Bildung einer persönlichen Beziehung zu Jesus. Jesus fragt „Was willst du, dass ich dir tue?“, bevor er den Blinden in Jericho heilt. Er wandte sich an die Frau, die von ihrer Blutung geheilt worden war, und unterhielt sich mit ihr. Er legte den Kranken persönlich die Hände auf. Er bezog seine Jünger in das Wunder der Brotvermehrung mit ein, indem er sie die Brote an die Menge verteilen ließ. Jesus vollbrachte also Wunder sind Zeichen für etwas, das größer als unser Leben und die Welt hier und jetzt ist. 20 SCHWERPUNKT
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