Jesuiten 2025-4 (Deutschland-Ausgabe)

„Wunder gibt es immer wieder“, sang Katja Ebstein beim Eurovision Song Contest 1970. Stimmt das? Der Blick in die Nachrichten kann einen daran zweifeln lassen. Viele Situationen in unserem Leben scheinen festgefahren und ohne Ausweg zu sein. Oft bleibt doch immer alles beim Alten, und die Dinge nehmen ihren gewöhnlichen Lauf. Wo ist das Eingreifen Gottes in einer Welt, die in ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten gefangen scheint, die nicht immer in die Richtung führen, die das Evangelium anzeigt? Aber der Schlager von Katja Ebstein geht noch weiter: „Wenn sie dir begegnen, musst du sie auch seh’n.“ Vielleicht geschehen ja tagtäglich Wunder vor der eigenen Haustür, und wir laufen blindlings an ihnen vorbei? Wundern wir uns nicht ganz selbstverständlich und jeden Tag? Wir staunen gelegentlich über unerwartete Wendungen, die das Leben für uns bereithält. Und auch wenn wir sonst nicht immer viel Anlass zu Zuversicht haben, kann uns doch in der Natur etwas von der Schönheit der Schöpfung aufgehen. Wenn wir die grünen Bäume, die bunten Blumen und den blauen Himmel sehen, wundern wir uns manchmal: „What a wonderful world!“ Auch das Alltägliche kann wunderbar sein. An Wundern scheiden sich die Geister. Manche wollen sie überall sehen, andere nirgendwo. Die Wirklichkeit liegt oft zwischen den Extremen und ist vielfältiger und überraschender, als es unsere Annahmen manchmal gerne hätten. Mal bleibt ein erbetenes Wunder aus, mal tritt eines ungebeten ein. Die Bandbreite der menschlichen Erfahrung (oder: Nicht-Erfahrung) von Wundern ist groß. Innerhalb dieser Bandbreite wollen wir eine Auswahl von Perspektiven bieten. Wir hoffen, dass Sie sich darin wiederfinden können, und wünschen eine wundervolle Lektüre unseres Heftes. Allen Autorinnen und Autoren danken wir herzlich für Ihre Beiträge. Liebe Leserin, lieber Leser, Konrad Glosemeyer SJ und P. Manfred Grimm SJ EDITORIAL 1

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