Jesuiten 2025-4 (Deutschland-Ausgabe)

P. Pedro Arrupe y Gondra SJ wurde 1907 in Bilbao geboren und erlebte als Missionar in Japan den Abwurf der Atombombe in Hiroshima. Von 1965 bis 1981 war er der 28. Generalobere der Jesuiten. In dieser Zeit lag sein Augenmerk auf der Erneuerung des Apostolats der Jesuiten durch den Einsatz für Glaube und Gerechtigkeit. Er war ein Mensch mit einem feinen Gespür für die Sorgen und Fragen seiner Zeit. Arrupe verstarb nach längerer Krankheit 1991 in Rom. Portrait Arrupe © SJ-Foto; Aquarell (Ausschnitt) © Andreas Felger Rosenkranz, und von Zeit zu Zeit seufzte sie: „Heiligste Maria, hilf uns!“ Es war eine ergreifende Szene, und ich erinnerte mich der Bitte, mit welcher sich der Kranke im Evangelium an Jesus wandte: „Herr, reinige mich von diesem Aussatz!“ Die Mutter beeilte sich, ihren Platz in der vordersten Reihe einzunehmen, dort, wo der Bischof mit dem Allerheiligsten in der Monstranz vorbeikommen würde. Der Augenblick kam, wo der Bischof den jungen Kranken mit der Hostie segnete. Dieser schaute mit dem gleichen Vertrauen zur Monstranz hin, mit dem der Lahmgeborene im Evangelium zu Jesus aufschaute. Der Bischof machte mit der Monstranz das Zeichen des Kreuzes, da erhob sich der junge Mann geheilt von seinem Rollstuhl. Die Umstehenden schrien voller Freude: „Ein Wunder! Ein Wunder!“ Da ich eine Spezialerlaubnis hatte, konnte ich nachher bei der ärztlichen Untersuchung dabei sein. Der Herr hatte ihn wirklich geheilt. Ich bin unfähig, euch jetzt zu schildern, was ich in jenen Momenten fühlte und dachte. Ich kam von der medizinischen Fakultät in Madrid, wo ich so manche ungläubigen Professoren und Kameraden kannte, die sich über Wunder nur lustig machten. Nun war ich aber Augenzeuge eines wirklichen Wunders geworden, das Jesus Christus in der Eucharistie gewirkt hatte. Derselbe Jesus Christus hatte im Laufe seines Lebens so viele Kranke und Lahme geheilt. Ich freute mich grenzenlos. Als ich auf diese Weise seiner Allmacht gewahr wurde, erschien die Welt um mich herum ganz klein. Ich kehrte nach Madrid zurück. Die Bücher fielen mir aus der Hand. Die Vorlesungen und Experimente, die mich vorher so begeistert hatten, kamen mir öde vor. Meine Kameraden fragten mich: „Was ist mit dir los? Du hast ja deinen Kopf verloren!“ Ja, ich war tatsächlich außer mir, dachte ich doch nur noch an die zum Segnen erhobene Hostie und an den gelähmten Jungen, der aus dem Rollstuhl sprang. Drei Monate später trat ich ins Noviziat der Gesellschaft Jesu in Loyola ein. Der Herr unterwies mich in derselben Weise wie in den Evangelien. Durch seine Wunder und seine Lehre erweckte er in mir den Glauben und die Liebe, sodass er mir sagen konnte: „Lass alles und folge mir!“ Zitiert nach: Pedro Arrupe, Erfahrungen mit der Eucharistie. Kanisius-Verlag, Freiburg im Üechtland, 1981, S. 16–19 Als ich auf diese Weise seiner Allmacht gewahr wurde, erschien die Welt um mich herum ganz klein. 3 SCHWERPUNKT

RkJQdWJsaXNoZXIy MjIwOTIwOQ==