Jesuiten 2025-4 (Deutschland-Ausgabe)

Alois Prinz studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in München und ist freischaffender Schriftsteller. Er veröffentlichte Biografien u. a. über Jesus von Nazareth, Hermann Hesse, Ulrike Meinhof und Franz von Assisi. Selbstzweifeln geflüchtet in eine Einsamkeit, die ihm Sicherheit gab. Jesus ließ sich nicht vertreiben, und er wandte eine „Therapie“ an, die aus heutiger Sicht geradezu märchenhaft erscheint. Er erlaubte den Dämonen in diesem Mann in eine Schweineherde zu fahren, und diese Herde stürzte den Steilhang hinunter und ertrank im Meer. Dieser rätselhafte Vorgang ist für uns moderne Menschen nicht mehr so fremd, wenn wir bedenken, dass seelisch Kranke auch heute noch geheilt werden können, wenn sie Ängste und Aggressionen „ausagieren“. Oder dass sie von Traumata befreit werden, wenn sie verdrängte Erfahrungen nochmals durchleben. Jesus war aber mehr als ein Therapeut. Menschen, die von ihm geheilt wurden, umschreiben die Wirkung als ein Ganzwerden an Leib und Seele, als eine Versöhnung mit sich selbst, mit der Welt und mit Gott. Jesus behielt seine Fähigkeit zum Heilen nicht für sich. Er sandte seine Jünger aus und gab ihnen „die Kraft und die Vollmacht“ (Lk 9,1), damit sie, wie er, Menschen heilen. So kann diese heilbringende Kraft durch die Zeiten wirken. Immer wieder hat es Menschen gegeben, die in sich eine Stärke erfahren haben, von der sie wussten, dass sie nicht aus ihnen kommt oder die wie Teresa von Avila behaupten konnten: „Das ist nicht aus meinem Kopf!“ Solche Menschen können auch heute noch auf andere heilend wirken oder zu Taten fähig sein, die wir als Wunder begreifen. Portrait © privat; Aquarell (Ausschnitt) © Andreas Felger 7

RkJQdWJsaXNoZXIy MjIwOTIwOQ==