Jesuiten 2026-1 (Deutschland-Ausgabe)

Mitgeschöpflichkeit Wer dem Tier in sich zuhört, lernt auch, die Tiere draußen neu zu sehen. Nicht als Gegenüber, sondern als Mitgeschöpfe. Sie zeigen uns, wie Beziehung ohne Worte gelingt – wie Achtsamkeit, Vertrauen und Gegenwärtigkeit im Leib beginnen. In jeder Begegnung mit einem Tier – in den Augen eines Pferdes, das uns prüfend ansieht, oder in der stillen Wärme eines schlafenden Hundes – klingt etwas von der Schöpfung an, die uns mitatmet. Franz von Assisi sprach von Bruder Wolf und Schwester Lerche. Vielleicht meinte er genau das: eine innere Verwandtschaft, die über Arten hinausreicht, eine leise Erinnerung daran, dass alles Lebendige miteinander spricht. Das Tier in uns will nicht gezähmt werden. Es will nur, dass wir hinhören. Vielleicht ist das schon genug: ein Augenblick, in dem das Leben selbst aufhorcht, als hätte es uns wiedergefunden. Kein großes Geheimnis, kein Glanz – nur Atem, Gegenwart, Bewegung. Und wer genau hinhört, merkt: In diesem Lauschen sind wir nicht allein. P. Johann Spermann SJ ist Psychologe, Theologe und Focusing-Trainer. Er lebt in Ludwigshafen und begleitet Menschen auf der Suche nach innerer Resonanz und spiritueller Tiefe. Portrait: © SJ-Bild 13

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