Jesuiten 2026-1 (Deutschland-Ausgabe)

einige Männer, die ihre Frauen anständig behandelten, ihre Meinung respektierten und einen wertschätzenden Umgang pflegten. Und es gab bestimmt auch einige Sklavenhalter, die ihre Sklaven anständig behandelten, sie nicht schlugen und sich nicht zu Tode schuften ließen. Ja, so konnte man gegen Ende des 18. Jahrhunderts immer wieder lesen, vielen Sklaven ging es bei ihrem Herrn so gut, dass sie gar nicht frei sein, die Plantage nicht verlassen wollten. Allein, das ist nicht der (relevante) Punkt. Entscheidend ist vielmehr, dass Menschen – Sklaven und Frauen – ohne Angabe guter Gründe elementare Rechte, wir nennen sie Menschenrechte, abgesprochen wurden. Im Lauf der Diskurse und Auseinandersetzungen hat man sich schließlich darauf geeinigt, dass das nicht legitim ist. Und man hat sich darauf geeinigt, dass der Umgang mit anderen Menschen, mögen sie noch so ohnmächtig und ihre Stimmen noch so unterrepräsentiert sein, eine Frage der sozialen Gerechtigkeit ist. Wie Menschenrechte in einer Gesellschaft umgesetzt werden, ist eben keine Frage des Geschmacks. Wie Menschenrechte in einer Gesellschaft umgesetzt werden, macht diese Gesellschaft als Ganze besser, gerechter, fortschrittlicher. Dasselbe gilt für den Umgang mit (nichtmenschlichen) Tieren. Wie wir sie behandeln, ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sagt etwas über die Qualität unserer Gesellschaft aus. Ihnen elementare Rechte – wie das Recht, nicht gequält oder getötet zu werden – abzusprechen, ist nicht nur nicht legitim, es ist ein Unrecht, das die Generationen nach uns – so bleibt zu hoffen – klarer als solches sehen werden. Rückblickend werden sie sich dann wohl auch über unsere Blindheit, Kälte und Gleichgültigkeit wundern, so wie wir das heute tun, wenn wir uns im gemütlichen Lehnstuhl des Gerechten historische Berichte über die Sklaverei zu Gemüte führen. PD Dr. Claudia Paganini lehrt an der Universität Innsbruck und forscht zu Fragen der Medien-, Medizin- und Tierethik. Sie ist Mitglied der Kommission für Tierversuchsangelegenheiten in Wien. Portrait: © STUDIO MATPHOTO 17

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