Der Elefant im Porzellanladen Ob Angsthase, Leseratte oder Schlaufuchs: Unsere Sprache wimmelt von Tieren. Warum verwenden wir die Redensarten und woher kommen sie? Eine Spurensuche von Dr. Anette Konrad. Tierische Redensarten gehören fest zum deutschen Sprachgebrauch – und sind weit mehr als sprachlicher Zierrat. Sie sind verdichtete Kulturgeschichte: kleine Erzählungen, die menschliche Eigenschaften, Schwächen und Stärken in einprägsame Bilder fassen. Der Grund für ihre Wirkung liegt in der Analogie. Abstrakte Eigenschaften wie Sturheit, Klugheit oder Überheblichkeit werden durch Tiervergleiche sofort verständlich. Wer „stur wie ein Esel“ ist, braucht keine weitere Erklärung. Viele Redewendungen gehen auf genaue Naturbeobachtungen zurück, andere auf Mythen, Fabeln oder historische Anekdoten. Manche beruhen auf antiken Realitäten, etwa wenn man sprichwörtlich „Eulen nach Athen trägt“ und damit etwas Überflüssiges tut. Sie verbinden Wissen, Volksglauben und Moral zu einer leicht verständlichen Formel und decken das gesamte Spektrum menschlichen Handelns ab: Sie erzählen von Effizienz („zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“), von Nähe („ein Katzensprung“), von Übertreibung („aus einer Mücke einen Elefanten machen“) oder von Anpassung und Ausgrenzung („mit den Wölfen heulen“, „das schwarze Schaf“). Indem wir uns selbst im Tier spiegeln, machen wir Verhalten erklärbar – und unsere Sprache lebendig und anschaulich. Wir erzeugen ein Bild im Kopf unseres Gegenübers. 18
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