Einen Bock schießen und Schwein haben Bei Schützenfesten erhielten früher die schlechtesten Schützen als Spottpreis einen Bock oder ein Ferkel. Damit war für alle sichtbar, wer danebengezielt hatte. Wer ein Schwein bekam, hatte trotz Blamage echtes Glück. Das wertvolle Nutztier musste zwar unter dem Gelächter der Zuschauer durch die Stadt geführt werden – sorgte aber immerhin für einen vollen Stall. So wurde aus der Schmach ein Gewinn. Bis heute leben beide Redewendungen weiter: Der Bock steht für den Fehltritt, das Schwein für unerwartetes Glück. Das ist des Pudels Kern Die Redewendung geht auf Goethes Faust zurück. Auf einem Spaziergang wird Faust von einem unheimlichen Pudel begleitet. Er beschwört den Hund mit Zaubersprüchen. Das Tier entpuppt sich später als Teufel Mephisto. Fausts Erkenntnis der Wahrheit führte zum geflügelten Wort „des Pudels Kern“, das man immer dann benutzt, wenn man den wahren Hintergrund einer Sache erkennt. Die Katze im Sack kaufen Wer die „Katze im Sack kauft“, tappt in eine klassische Falle – und die geht auf Till Eulenspiegel zurück. In einem alten Volksbuch lässt der Schelm eine lebende Katze in ein Hasenfell einnähen, steckt sie in einen Sack und verkauft sie als vermeintlichen Hasen. Der betrogene Käufer merkt erst zu Hause, was ihm da untergejubelt wurde. Seitdem steht die Redewendung dafür, etwas zu kaufen, ohne es vorher geprüft zu haben. Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts … Die bekannte Redewendung hat ihren Ursprung im Heidelberg des 19. Jahrhunderts. Ein Student namens Viktor Hase half 1854 einem Kommilitonen nach einem tödlichen Duell bei der Flucht. Vor dem Universitätsgericht weigerte er sich, den Täter zu verraten – und antwortete schlicht: „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.“ Der Satz machte schnell an den Universitäten die Runde und ging bald in den allgemeinen Sprachgebrauch über. Bis heute steht er für augenzwinkerndes Nichtwissen – und für Loyalität. Ein Wolf im Schafspelz Der „Wolf im Schafspelz“ wirkt harmlos, verfolgt aber dunkle Absichten. Das Bild stammt aus der Bibel: Im Matthäusevangelium wird vor falschen Propheten gewarnt, „die in Schafskleidern kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind“ (Mt 7,15). Bis heute steht die Redewendung für Heuchelei und Manipulation. Eine Laus über die Leber gelaufen „Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen?“ Diese Frage stellt man, wenn jemand unvermittelt schlecht gelaunt ist. In der Antike galt die Leber als Sitz der Gefühle. Schon der griechische Arzt Hippokrates verortete Zorn, Wut und Missmut in diesem Organ. Wer griesgrämig war, dem war sprichwörtlich „etwas über die Leber gelaufen“. Erst später, im Mittelalter, bekam dieses „Etwas“ einen Namen – die Laus. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Zum einen klingt die Alliteration gut und einprägsam: Laus, Leber, gelaufen. Zum anderen steht die Laus für etwas Winziges und Unbedeutendes. Genau das macht den spöttischen Unterton der Redewendung aus: Man unterstellt dem Gegenüber, sich über eine Nichtigkeit aufzuregen. Dr. Anette Konrad ist Journalistin und Chefin vom Dienst des Jesuiten-Magazins. Sie lebt und arbeitet in Ludwigshafen am Rhein. Quelle: Lutz Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Bd. I + II, Verlag Herder Portrait: © privat 19 SCHWERPUNKT
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