Jesuiten 2026-1 (Deutschland-Ausgabe)

ein Haustier zu haben, bringt Freude, Nähe und Leben in den Alltag. Manche warten auf uns, wenn wir nach Hause kommen, mit anderen haben wir feste Rituale. Wir wollen nicht über sie verfügen – wir möchten sie einfach bei uns haben, so wie sie sind. Haustiere sind nicht nur freundlich zu uns, weil wir sie füttern, sondern weil sie uns liebgewonnen haben. Viele von uns kennen Momente, in denen ein Tier unseren Zustand genauer erspürt als wir selbst. Und nicht wenige haben erlebt, wie Haustiere in schwierigen Zeiten intuitiv das Richtige tun. Auch zu Tieren, die uns weniger nahestehen, besteht eine Art Vertrautheit. Wir freuen uns über Meisen am Fenster, kommen beim Blick in ein Aquarium zur Ruhe, tragen eine Spinne behutsam aus dem Haus. Gern blenden wir die Abgründe der Tierwelt aus. Eine unscheinbare Heuschrecke kann unter Stress zur zerstörerischen Wanderheuschrecke werden. Während wir für einzelne Tiere Zeit, Geld und Zuneigung aufbringen, gehen unzählige andere unter Schmerzen zugrunde. Das Artensterben betrifft Bienen und Singvögel, Säuger und Kleinlebewesen. Und das Schwein, dessen Fleisch auf dem Teller liegt, war womöglich klüger und bewusster als der Hund, den wir niemals schlachten würden. Das Ei im Kuchen könnte im Gedränge einer Tierfabrik gelegt worden sein, in der blanke Panik herrschte – verborgen vor unseren Blicken. Mit diesem Heft laden wir dazu ein, Tiere wahrzunehmen: in ihrer Zutraulichkeit und ihrer Wildheit, in ihrer Starre und ihrer Spontaneität. Viele Menschen haben die Erfahrung gemacht, wie bereichernd es ist, sich diesen anderen Lebewesen auszusetzen. Wir sollten diesen Erfahrungsschatz nicht leichtfertig ausschlagen oder verkümmern lassen. Tiere sind von sich aus wertvoll – auch in ihnen drückt sich die ganze Kreativität des Schöpfers aus. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen tierische Freude beim Lesen. Liebe Leserin, lieber Leser, Dr. Matthias Rugel SJ und P. Mathias Werfeli SJ Portraits: © SJ-Bilder EDITORIAL 1

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