Portrait: © privat Bruder András ist seit 2003 Mitglied der Communauté von Taizé und stammt aus Ungarn. Er engagiert sich seit vielen Jahren in der Begleitung Jugendlicher und hat die Vorbereitung zahlreicher Europäischer Jugendtreffen am Jahresende mitgestaltet. Das Außergewöhnliche im Alltäglichen einer Begegnung Vier Monate Vorbereitung, Tausende Begegnungen: Bruder András ermöglicht uns einen Blick hinter die Kulissen des Europäischen Jugendtreffens in Paris Ende 2025. Für die 30-köpfige Vorbereitungsgruppe vergingen die fünf Tage des Jugendtreffens wie im Flug. Doch hinter dieser Intensität verbirgt sich ein viermonatiges Abenteuer. Von September bis Januar tauchte unsere Gruppe – junge Erwachsene in unterschiedlichen Lebenssituationen – völlig in diese Aufgabe ein. Mehr als tausend Besuche in Kirchengemeinden der acht Diözesen der Île-de-France ließen, lange vor Ankunft der Pilger, tiefe Verbindungen entstehen. 150 Kirchengemeinden wurden zu „lokalen Gastorten“. Dort wurde die Ökumene konkret greifbar. An vielen Orten weitete die eucharistische Gastfreundschaft den Horizont und vertiefte eine Gemeinschaft, die während des gesamten Treffens spürbar war. Die Workshops wirkten wie ein Spiegel für das Interesse der Jugendlichen an diesem Mikrokosmos. Sie konnten aus einem großen Angebot auswählen, sich austauschen und entdecken. Hier sprachen Theologinnen verschiedener Konfessionen über Wege für Frauen in der Theologie; dort lernte man das Vaterunser in Gebärdensprache. Ein Anabaptist und ein Dominikaner zeigten, wie man Divergenzen in einen Weg der Einheit verwandelt; andere erkundeten, was das Konzil von Nicäa vor 1700 Jahren heute für den Glauben bedeutet. Ein ukrainischer Chor sang Weihnachtslieder, während man andernorts lernte, mit der Bibel nach dem Vorbild des Ignatius zu beten. Wir befanden uns ständig an Grenzen: zwischen unterschiedlichen Sensibilitäten – unseren eigenen wie denen der Menschen, denen wir begegneten – weit über Konfessionen hinaus. Wir stellten unsere Kleinheit der Unermesslichkeit der Metropole gegenüber und unseren „begeisterten Amateurismus“ der Professionalität der Institutionen. In dieser Zerbrechlichkeit traten Prioritäten klar hervor: auf den anderen zuzugehen, präsent zu sein und zu wagen, um Hilfe zu bitten. Zu akzeptieren, dass man manchmal überfordert ist: Sich zwar ernsthaft zu bemühen, aber sich von Zeit zu Zeit damit zu begnügen, nur „gut genug“ zu sein, um Raum für anderes zu lassen. In diesem Raum für das Unvorhergesehene blieb eine Anekdote unter vielen haften. In einer Gemeinde war vergessen worden, das Abendessen für den 28. Dezember vorzubereiten. Als man merkte, dass eine Menschenmenge verpflegt werden musste, improvisierte das Team eine Suppe. Am Ende fehlte es an nichts. Beim Rückblick war es genau dieser Moment, den die Teilnehmenden am häufigsten erwähnten. Als ob dieses Beinahe-Scheitern eines alltäglichen Augenblicks zu einem Gleichnis für das geworden wäre, was wir gemeinsam an Außergewöhnlichem erleben durften. 17 SCHWERPUNKT
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