25 fen durchführbar ist und zugleich nichts von ihrer beziehungsbildenden Kraft einbüßt. Was in all dem trägt, ist Freundschaft, in Hochzeit und Begräbnis, im Großziehen und im Verlust eines Kindes, im Erfüllen und Zurückstellen von Träumen, am tiefsten wohl im Alltag. Seitenwechsel zieht sich als Motiv auch durch vergangene Stationen. Im Kosovo lernten wir von den Roma und Ashkali, nicht zu helfen, sondern zusammenzuleben. Concordia Tranzit nennt sich die Gemeinschaft heute, die damals aus dem Wechsel von beiden Seiten her entstanden ist. Im Theologiestudium fand ich diese Erfahrung in unserer biblischen Wurzel wieder: Versöhnung, unausschöpflich dargestellt in der Familiengeschichte Jakobs. Im Philosophiestudium gab Hegel mir Antworten auf meine Frage, wie vom anderen abhängt, wer ich mir bin. Wie weit kann ich mit dem Motiv des Seitenwechsels zurückgehen? Als Zwilling bin ich damit aufgewachsen, dass es immer die Perspektive einer anderen gibt, in die ich wechseln kann. Berge lehren uns, welcher Art die Grenzen sind, an die wir gesandt sind. Sie sind nicht die Trennung, sondern die Verbindung ihrer beiden Seiten. Doch der Seitenwechsel setzt eine Einladung voraus. Das unterscheidet das Überbrücken von Grenzen von der übergriffigen Grenzüberschreitung. Natürlich gibt es auch Grenzen, die gezogen, nicht überquert werden müssen. Doch die Grenzen, die wir meinen, wenn wir von einer Sendung dorthin sprechen, sind von der Art her wie Berge. Wir gehen an sie in der Hoffnung, auf die andere Seite überqueren und dann Brücke sein zu können. Letztlich ist der Seitenwechsel auch der Ausgangspunkt meines Jesuitseins: Ihm in seinem Seitenwechsel nachfolgen. P. Moritz Kuhlmann SJ Unterwegs in Beijing Unterwegs in Chinas Bergen Fotos: © Kuhlmann
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