Jesuiten 2026-2 (Deutschland-Ausgabe)

Wenn die unsichtbaren Mauern im Kopf bestehen bleiben Von der physischen Barriere zur mentalen Herausforderung – ein Essay über das Ankommen in der Fremde und die Linien, die wir selbst ziehen. Der Anfang des Menschen ist eine fundamentale Grenze – die Geburt, der Moment, in dem wir aus der Unendlichkeit in die Existenz treten. Und sein Ende ist ebenso eine unerbittliche Grenze – der Tod. Dazwischen entfaltet sich das Leben innerhalb eines komplexen Geflechts aus sichtbaren und unsichtbaren Grenzen: Religion, Hautfarbe, soziale Herkunft sowie die Prägungen durch Bildung und Erziehung. Diese Faktoren geben uns Sicherheit, können uns aber gleichzeitig einengen. Die Illusion der physischen Grenze Lange Zeit galt der physische Grenzübertritt als die größte Hürde: das Verlassen der Heimat, der Wechsel in ein fremdes Land. Viele Migranten berichten jedoch, dass dieser Schritt oft einfacher war als befürchtet – ein bisschen Warten, ein Stempel im Pass, und man stand auf der anderen Seite. Die wirklichen Grenzen jedoch, die schmerzhaften und fordernden, kommen erst danach zum Vorschein. Es gibt Herausforderungen, die man erwartet und die handhabbar scheinen. Doch dann folgen jene Dinge, auf die einen niemand vorbereitet: die subtilen Nuancen einer fremden Sprache, fremdartige Denkweisen und dieses nagende Gefühl, zwar physisch anwesend zu sein, aber nicht wirklich dazuzugehören. Es ist das Gefühl, in einem Raum zu 6

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